TAIZÉ

Ljubljana 2023/24

Tägliche Betrachtungen von Frère Matthew

 
Auf dieser Seite erscheinen die täglichen Meditationen von Frère Matthew vom 28. bis 31. Dezember. Es ist auch möglich, über die Links auf dieser Seite die gemeinsamen Gebete mitzuverfolgen.

Donnerstag, 28. Dezember 2023

Was für eine Freude, heute Abend hier in Ljubljana mit euch allen zusammen zu sein! Ihr seid aus allen Himmelsrichtungen Europas und darüber hinaus gekommen. Viele von euch haben eine lange Reise hinter sich, und eure Gastgemeinden erwarten euch bereits, sodass ich nicht zu lange sprechen möchte.

Es ist so wichtig, dass wir in unseren Aktivitäten zuallererst innehalten, dass wir beten und vor allem Gott für die Gelegenheit danken, die wir in diesen Tagen haben, einander zu begegnen, das Leben der Christen in Ljubljana und Umgebung kennenzulernen und uns gemeinsam auf den Weg zu machen. „Gemeinsam auf dem Weg“, so lautet der Titel des Briefes, den wir für dieses Treffen vorbereitet haben und das als Gedankenanstoß für das kommende Jahr in Taizé und bei den Treffen an anderen Orten auf der Welt dient.

In den vergangenen Monaten waren wir gemeinsam mit den verschiedenen Kirchen in Ljubljana unterwegs. Ein Team junger Freiwilliger, von denen ihr morgen Abend zwei kennenlernen werdet, hat Kirchengemeinden und kirchliche Gemeinschaften besucht, um dieses Treffen mit ihnen vorzubereiten. Die Gastfreundschaft, die sie erfahren haben, und das Programm, an dem ihr teilnehmen werdet, sind das Ergebnis dieser gemeinsamen Suche und des gegenseitigen Zuhörens.

Heute Abend haben wir Erzbischof von Ljubljana, Stanislav Zore, unter uns. Mit ihm zusammen ist Pfr. Geza Filo der evangelisch-lutherischen Kirche AB in Slowenien gekommen. Erzbischof Stanislav möchte ich gerne fragen: „Was erhoffen Sie sich von diesem Treffen für Ihre Kirchengemeinden in Ljubljana?“ Und Pfarrer Geza: „Was bedeutet es für Ihre Kirche, an diesem Treffen teilzunehmen?“

Ich möchte Ihnen beiden für Ihre Begrüßungsworte danken. In der heutigen Welt ist es wichtig, dass wir gemeinsam Wege finden, unseren Glauben in die Tat umzusetzen, auch wenn wir aus unterschiedlichen christlichen Traditionen kommen.

In der Einleitung des „Briefes für das Jahr 2024“ findet ihr folgenden Worte:
„Nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder und Schwestern!“, sagte Jesus (Matthäus 23,8). Sind nicht alle Christen Schwestern und Brüder und sind sie nicht in einer zwar noch unvollkommenen, aber doch bereits bestehenden Gemeinschaft vereint? Ist es nicht Christus, der uns einlädt, uns zusammen mit ihm und den Menschen am Rand unserer Gesellschaft auf den Weg zu machen? Auf diesem Weg wollen wir im Dialog Versöhnung suchen und uns daran erinnern, dass wir aufeinander angewiesen sind – nicht um unsere Meinung durchzusetzen, sondern um zum Frieden in der Menschheitsfamilie beizutragen.“

Bewahren wir diese Worte am heutigen ersten Abend des Treffens in Ljubljana im Herzen. Mit unserem gemeinsamen Unterwegssein in diesen Tagen möchten wir mit Christus gehen, der ausnahmslos jede und jeden annimmt und uns auffordert, auf diejenigen zuzugehen, die unseren Weg kreuzen. Auf diese Weise leisten wir, wo immer wir sind, einen kleinen, aber realen Beitrag zum Frieden in unserer Welt.

Natürlich dürfen wir nicht naiv sein, wenn wir über Frieden sprechen. Situationen von Krieg und Gewalt in der Gegenwart und Vergangenheit haben in unserem Europa und in anderen Teilen der Welt Wunden geschlagen. Wir denken ganz besonders an unsere Brüder und Schwestern aus der Ukraine, die es geschafft haben, in diesen Tagen hier bei uns zu sein, und auch einige Jugendliche aus Palästina. Ein dauerhafter Frieden geht immer mit Gerechtigkeit für alle einher, besonders für diejenigen, die gelitten haben.

Aber wenn wir, wie in der heutigen Lesung, die Frage Jesu hören: „Was sucht ihr?“, – wie werden wir darauf antworten? Jesus kommt in unserer tiefsten Sehnsucht auf uns zu. Und wenn wir darauf antworten, lädt er uns ein: „Kommt und seht!“, um mit ihm zu gehen, um mit seinen Augen zu sehen. Sind wir bereit, uns auf dieses Abenteuer des Glaubens einzulassen, unser Vertrauen auf den zu setzen, der uns liebt, bevor wir ihn lieben, um bei ihm zu bleiben?

Morgen früh werdet ihr in den Gemeinden gemeinsam über das Thema des Zuhörens sprechen. Dies ist der erste Abschnitt des „Briefes für das Jahr 2024“, denn „in einem Dialog geht es zuallererst darum, einander zuzuhören“. Seid in diesen Tagen bereit, einander zuzuhören, vor allem auf das, was der oder die andere sagt, aber auch auf die Schrift und die Stille im eigenen Herzen. Vielleicht stellen wir dabei ja fest, dass Gott zu uns spricht. Sind wir dazu bereit?


Freitag, 29. Dezember 2023

Heute Morgen habt ihr in den Kleingruppen über das Thema des Zuhörens gesprochen. Was habt ihr dabei entdecken können? Könnt ihr all das in diesen Tagen im Herzen bewahren, damit es wachsen und Wurzeln schlagen kann? Vielleicht kommen euch weitere Gedanken. Es wäre eine gute Idee, diese aufzuschreiben und so eure Überlegungen zu vertiefen.

Wenn wir uns auf diese Weise gemeinsam auf den Weg machen, vor allem, wenn jede und jeder von uns den Wunsch hegt, zuzuhören, und wenn niemand anderen seine Ansichten oder Handlungen aufzwingt, kann unsere Begegnung sehr kraftvoll sein. Unser eigener Beitrag ist wichtig, aber das, was wir von anderen erhalten, so herausfordernd es auch sein mag, lässt uns oft besser verstehen, wer wir wirklich sind. Das stellt für uns eine Bereicherung dar. Auch Jesus selbst hat dies in seinem Leben auf Erden erfahren.

Gestern habe ich von den jungen Erwachsenen gesprochen, die dieses Treffen vorbereitet haben. Die meisten von ihnen waren als Freiwillige in Taizé, bevor sie im September zusammen mit drei Brüdern der Communauté und zwei Schwestern von St. André nach Ljubljana kamen. Sie wurden von der Jugendpastoral der Erzdiözese Ljubljana und Jugendlichen aus der Region herzlich empfangen und unterstützt.

- Was war das Wichtigste auf eurem gemeinsamen Weg mit den Ortsgemeinden hier in Ljubljana? Und was war für euch die größte Freude während der Vorbereitung?

Wir möchten euch und dem gesamten Team für euer Durchhaltevermögen danken und auch für die Bereitschaft unserer Gastgeber, die ihre Türen aufgemacht haben. Einen Fremden aufzunehmen, ist das Herz des Evangeliums. Auf seinem Weg hat Jesus niemanden abgewiesen, der zu ihm kam, und er sah die Gegenwart Gottes auch in denen, die am Rande der Gesellschaft standen oder einen anderen ethnischen und religiösen Hintergrund hatten.

Wird uns nicht oft gesagt, dass wir unsere eigenen Interessen und die Interessen von Gleichgesinnten verteidigen sollen? Wenn wir so leben, verengt sich unser Blick und wir bleiben in unserer eigenen Komfortzone gefangen. Unsere Ängste können natürlich begründet sein und müssen gehört werden, aber wenn wir mit Jesus unterwegs sind, will er uns zu einem Leben in Fülle führen, das wir uns vielleicht nie hätten vorstellen können. Aber Jesus tut dies mit unglaublichem Feingefühl; er respektiert unsere Freiheit und gibt uns die Zeit, die wir brauchen, um den nächsten Schritt zu tun.

In dem heutigen Abschnitt aus dem Johannesevangelium haben die Freunde Jesu Angst. Sie verstehen nicht mehr, was vor sich geht. Sie haben begriffen, dass er nicht mehr lange bei ihnen sein wird und seine Liebe, die er zu ihnen und zur gesamten Menschheit hatte, zu seinem Tod führen wird. Sie sind beunruhigt.

Jesus sagt ihnen jedoch auch, dass er sie nicht im Stich lassen werde. Er werde ihnen immer vorausgehen und ihnen einen Platz vorbereiten. Als Thomas seinen Unglauben mit den Worten ausdrückt: „Wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir den Weg kennen?“, beruhigt ihn Jesus.

Worum Jesus uns bittet, das gibt er auch. Er selbst ist der Weg, wir können auf das vertrauen, was er sagt, und er ist die Quelle einer Fülle des Lebens. Auch wenn Jesus selbst in großer Bedrängnis ist, ist er bereit, sich die Ängste seiner Freunde anzuhören und sie darin zu begleiten. Auf diese Weise zeigt er seine Liebe – eine Liebe, die bald zu ihrem tiefsten Ausdruck kommen wird, indem er sein Leben am Kreuz hingibt. Und diese Liebe wird sich als stärker erweisen als der Tod.

Ist es nicht diese Liebe, stärker als der Tod, die uns erlaubt, dem Leben ins Auge zu sehen? Doch diese Liebe ist eine demütige Liebe, die dem anderen Raum lässt, dessen Grenzen respektiert und mit ihm mitgeht. Auf diese Weise lernen wir Mitpilger kennen, die bereit sind, unseren Weg zu teilen – in der Gemeinschaft der Gläubigen, der Kirche, dem Leib Christi, aber auch in der Gesellschaft.

Morgen werdet ihr in den Kleingruppen darüber sprechen, wie ihr ein Gleichgewicht zwischen dem Alleinsein und dem Zusammensein mit anderen findet. Wie hängen diese beiden Ebenen zusammen? Das ist ein wichtiges Thema. Im „Brief für 2024“ heißt es: „Die Saiten einer Gitarre liegen nebeneinander, aber erst wenn sie zusammen gespielt werden, entsteht ein schönen Klang ...“

Unser Abendgebet wird mit dem Gebet vor dem Kreuz enden. Alle, die möchten, können zum Kreuz kommen und Jesus ihre Sorgen und Nöte sowie die Situationen des Leidens in der Welt anvertrauen. Christus nimmt jeden von uns an, so wie wir sind. Und wie in seinem Leben auf Erden, so geht er mit uns durch unsere Fragen und Zweifel, genauso wie er auch unsere Freude teilt. Nichts kann uns von seiner Liebe trennen.


Samstag, 30. Dezember 2023

Wir haben bereits über die Hälfte dieses 46. Europäischen Treffens hier in Ljubljana hinter uns und sind den Familien und Kirchengemeinden, die ihre Türen geöffnet und uns so herzlich aufgenommen haben, unendlich dankbar.

Sechs Monate nachdem ich als Bruder in die Communauté von Taizé eintrat, hielt unsere Communauté ihr erstes Ost-West-Treffen in dieser Stadt. Damals war Europa noch durch den Eisernen Vorhang geteilt; trotzdem war es möglich, dass junge Menschen aus allen Ländern Europas hier zusammenkamen. Ich komme aus England und bin im Bewusstsein dieser Teilung aufgewachsen. Deshalb wollte ich unbedingt bei diesem Treffen dabei sein. Aber ich war nicht unter den Brüdern, die zum Treffen geschickt wurden und war etwas enttäuscht! So freue ich mich jetzt umso mehr, in Ljubljana zu sein. Wird unser diesjähriges Treffen das gleiche prophetische Zeichen für ein versöhntes Europa sein wie 1987?

Manchmal kann es Jahre dauern, bis die Wünsche unserer Jugend in Erfüllung gehen, aber wir sollten diese Wünsche nie vergessen. Sie gehen später auf eine Weise in Erfüllung, die wir nie erwartet hätten! Wie es im „Brief für das Jahr 2024“ heißt: „Unsere Reise braucht Zeit – sogar ein ganzes Leben (...) Hier kommen geduldiges Ausharren und Treue ins Spiel.“

Wir leben in einer Welt, die oft schnelle Ergebnisse verlangt. Wenn diese ausbleiben, denken wir manchmal, alles anders machen zu müssen.

Heute Abend haben wir eine schöne Stelle aus dem Johannesevangelium gehört, die uns helfen kann, dies anders zu sehen. Sie führt uns zwei wichtige Themen vor Augen: Das erste ist der Begriff des „Bleibens“. Jesus bittet uns, in ihm zu bleiben, wie er in uns bleibt. Bleiben impliziert etwas Dauerhaftes, nicht nur für eine kurze Zeit. Es zeugt von Engagement.

Einfacher gesagt: Weil Jesus uns liebt, können wir ihn lieben. Er baut eine Beziehung zu uns auf, eine Beziehung, die Bestand hat. Jesus sagt uns, dass wir ihn aufgrund dieser Beziehung um das bitten können, was wir brauchen. Und wenn wir das tun, tut sich eine Quelle auf, die uns fähig macht, auch andere zu lieben. Jesus beschreibt dies mit dem Bild des Weinstocks und den Reben. Die Reben wachsen am Weinstock und erhalten alles, was sie brauchen, vom Weinstock. Sie sind gleichzeitig fest verankert und flexibel. Die Reben können dem Wind und den Stürmen, die kommen mögen, widerstehen und bleiben dennoch am Weinstock.

Der zweite Gedanke ist das „Fruchtbringen“. Die Rebe bringt ganz natürlich Früchte hervor, weil sie mit dem Weinstock verbunden ist. Sie bringt sie nicht von sich aus hervor. Aber was ist diese Frucht? Etwas weiter im Johannesevangelium wird Jesus sagen: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe. Niemand hat eine größere Liebe, als wenn er sein Leben für die hingibt, die er liebt.“

Im „Brief für das Jahr 2024“ heißt es: „Dieser Weg bedeutet das Wagnis, alles aufzugeben, um Jesus nachzufolgen. So können wir in großer Freiheit bis zum Ende lieben. (...) Darin besteht der Weg unseres Lebens, auf dem wir von Dienern zu Freunden Christi werden. Ein in Fülle gelebtes Leben trägt Frucht.“

Wir sind also aufgefordert, in Christus zu bleiben, so wie Christus in uns bleibt. Dadurch kann unser Leben verändert werden, und wir lernen, was es bedeutet, nicht nur für uns selbst, sondern für andere zu leben.

Dieser Weg braucht Zeit. Es ist, als ob unser ganzes Leben zu einem Pilgerweg wird. Und ihr wisst, dass unsere Communauté von Taizé seit vielen Jahren einen „Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde“ durchführt. Damit wollen wir euch, die ihr an den Treffen in Taizé teilnehmt, ermutigen, das Erlebte im Alltag weiterzuleben. Welche Aufgaben könnt ihr zu Hause, in der Gesellschaft und in der Kirche übernehmen? Das ist nicht einfach. Sind wir bereit, uns für das Gebet Zeit zu nehmen und nach Wegen zu suchen, Vertrauen und Verständnis zu stiften? Wie können wir uns in den bereits bestehenden Gemeinschaften einbringen – in Kirche und Gesellschaft?

Von Zeit zu Zeit nimmt dieser Pilgerweg eine konkretere Form an, wie hier in Ljubljana beim 46. Europäischen Jugendtreffen. Während des kommenden Jahres finden in Taizé jede Woche Treffen statt. Ihr alle seid eingeladen. Aber wo wird das 47. Europäische Jugendtreffen stattfinden?

In einem Land, in dem noch nie ein Europäisches Jugendtreffen stattgefunden hat und das eine wunderschöne, mittelalterli-che Hauptstadt besitzt ...

Das Land hat 2.355 Inseln und 1.560 Seen ... sowie eine reiche Geschichte; obwohl es lange Zeit von stärkeren Nachbarn abhängig war ...

Es wird in einem Land stattfinden, in dem in den 1990er-Jahren die Wende durch eine friedliche, „singende Revolution“ herbeigeführt wurde.

Das nächste Europäische Treffen wird in Tallinn, der Hauptstadt Estlands, stattfin-den.

Ich möchte Pastor Ove Sander bitten, einige Worte zu sagen, um euch alle vom 28. Dezember 2024 bis zum 1. Januar 2025 nach Tallinn einzuladen:

Liebe Schwestern und Brüder in Christus. Es ist mir eine Freude und eine Ehre, Sie nächstes Jahr in Tallinn zum Europäischen Taizé-Treffen herzlich willkommen zu heißen. Estland ist ein kleines Land, aber es hat viele großherzige Menschen. Estland ist kein reiches Land, aber es hat eine reiche Kultur. Estland gilt als ein recht säkulares Land, aber man findet dort viele Menschen mit einem tiefen Glauben und Engagement für Christus. Möge dieses nächste Treffen in Tallinn, wie schon das jetzige hier in Ljubljana, uns einander und Gott näher bringen und uns helfen, in unserer einzigartigen Berufung für sein kommendes Reich zu wachsen. In der Zwischenzeit möge die Liebe des Vaters, die Barmherzigkeit des Sohnes und die Gemeinschaft des Geistes mit uns allen sein.

Triin Salmu ist zuständig für die Jugend-arbeit der evangelisch-lutherischen Kirche Estlands: „Was bedeutet es, in Estland jung und Christ zu sein?"

Es bedeutet, sich von anderen zu unterscheiden. Es kann bedeuten, dass man sich in der Schule von den anderen ausgeschlossen und isoliert fühlt, aber es bietet auch die Chance, anderen ein Beispiel für Jesus zu sein. Eine Minderheit in der Gesellschaft zu sein, schafft auch ein Gefühl der Einheit mit anderen Christen und überwindet die Grenzen zwischen den Konfessionen, besonders unter den jungen Menschen.

Pfr.in Tiina Klement kommt seit vielen Jahren nach Taizé: „Was bedeutet dieses Treffen in dieser Zeit für die Kirchen in Estland?“

Es bedeutet, sich von anderen zu unterscheiden. Es kann bedeuten, dass man sich in der Schule von den anderen ausgeschlossen und isoliert fühlt, aber es bietet auch die Chance, anderen ein Beispiel für Jesus zu sein. Eine Minderheit in der Gesellschaft zu sein, schafft auch ein Gefühl der Einheit mit anderen Christen und überwindet die Grenzen zwischen den Konfessionen, besonders unter den jungen Menschen.

Morgen geht es um den „Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde“ und über einige neue Ideen, wie wir diesen Weg in der nächsten Zeit gemeinsam weitergehen können. Und jetzt werden wir wie jeden Abend vor dem Kreuz beten.


Sonntag, 31. Dezember 2023

Dies ist unser letztes Abendtreffen in Ljubljana. Es ist an der Zeit, darüber nachzudenken, wie wir das, was jeder und jede von uns in diesen Tagen entdeckt hat, in die Tat umsetzen können. Was bedeutet es für uns, in der Welt von heute gemeinsam auf dem Weg zu sein?

Als ich gestern über unseren „Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde“ sprach, habe ich gefragt, welche Verantwortung zu Hause, in Gesellschaft und Kirche, zu übernehmen ihr aufgerufen seid. Werden wir uns Zeit für das Gebet nehmen und nach Wegen suchen, um Vertrauen und Verständnis füreinander aufzubauen? Auf welche Weise können wir uns in bereits bestehenden Gemeinschaften, in Kirche und Gesellschaft im Allgemeinen, einbringen?

Wenn wir die verschiedenen Situationen von Gewalt in unseren Gesellschaften – Kriege und Konflikte in Nah und Fern –sehen, wenn wir den Schrei der Erde hören, der verwundeten Schöpfung Gottes, zu der unsere verwundete Menschheitsfamilie gehört, fühlen wir uns so oft ratlos. Alles ist miteinander verbunden. Unsere Sehnsucht nach Frieden ist eng verbunden mit dem Ruf zur Bewahrung der Schöpfung. Manchmal wissen wir nicht mehr, wohin wir uns wenden sollen, und fragen uns sogar: „Wo ist Gott in all dem?“

Aber war das nicht auch die Erfahrung der Freunde Jesu bei dessen Tod am Kreuz? Sie hatten ihre ganze Hoffnung auf ihn gesetzt, aber am Ende blieben nur wenige von ihnen bei ihm. Doch es kam der Moment, in dem sie verstanden, dass nicht einmal der Tod sie von dieser Liebe trennen konnte, die sie erfahren hatten. Einige von ihnen behaupteten sogar, den von den Toten auferstandenen Jesus gesehen zu haben.
Der Abschnitt aus dem Johannesevangelium, den wir soeben gehört haben, berichtet von einem der Freunde Jesu, der nicht dabei war, als die anderen Jesus sahen. Thomas ist ehrlich, stellt aber auch Bedingungen. War Jesus verwundet, weil er nicht sehen konnte, was die anderen gesehen hatten?

Thomas stellt alles in Frage. Am Freitagabend haben wir gehört, dass er Jesus gefragt hatte, wie er und seine Freunde den Weg erkennen könnten. – Wir brauchen keine Angst vor unseren Fragen und sogar Zweifeln zu haben. Im Abschnitt von heute Abend begegnet Jesus dem Thomas in dessen Zweifel. Thomas hatte es gefordert, und Jesus kommt zu ihm. Dessen Reaktion ist keine Zurechtweisung. Jesus sagt vielmehr: „Friede sei mit dir.“ Er lässt Thomas seine Wunden berühren und fordert ihn auf zu vertrauen. Als Thomas Jesus sieht, ruft er aus: „Mein Herr und mein Gott!“ Nun braucht Thomas Jesus nicht mehr zu berühren; die Begegnung mit ihm hat seine eigenen Wunden geheilt.
Thomas kann wieder glauben und sich erneut zu den Freunden Jesu zählen. Er ist in seinem Zweifel nicht mehr allein, sondern Teil einer Gemeinschaft. Im Brief 2024 ist ein Sprichwort vom Volk der Kikuyu in Ostafrika erwähnt: „Eine lange Reise gemeinsam zu unternehmen, macht sie kurz.“

Sind wir bereit, uns gemeinsam mit anderen auf den Weg zu machen? Jesus verheißt denen Freude, die ihm vertrauen, ohne ihn gesehen zu haben. Durch dieses Vertrauen ist jedem Einzelnen von uns die Freude angeboten. Sie wird stärker, wenn wir gemeinsam auf dem Weg sind. Wir gehen mit vielen anderen den gleichen Weg – und das konntet ihr in diesen Tagen entdecken.

Ich kann das ökumenische Abendgebet „Together“ am 30. September auf dem Petersplatz in Rom nicht vergessen. Auf Einladung von Papst Franziskus sind wir als Volk Gottes aus verschiedenen christlichen Traditionen zusammengekommen, so unterschiedlich wir der Herkunft und unserer sozialen Stellung nach auch sind. In Gebet, Fürbitte und Stille haben wir die Arbeit der Bischofssynode der katholischen Kirche dem Heiligen Geist anvertraut. Zusammen mit Papst Franziskus gaben zwanzig führende Vertreter verschiedener Kirchen einen gemeinsamen Segen. Gemeinsam beteten sie vor dem Kreuz.

Die Synode ist in der katholischen Kirche ein laufender Prozess mit einer zweiten Sitzungsperiode im Oktober 2024. Wie können junge Menschen an diesem Weg teilnehmen? Die Einladung von Papst Franziskus macht deutlich, dass der Beitrag von Christen aus allen Traditionen willkommen ist. Sind wir bereit, mitzugehen?

Wenn wir dazu in der Lage sind, können wir als Christen gemeinsam, wie Hefe im Teig, etwas bewirken. Würde Frieden unter uns nicht eine größere Hoffnung auf Frieden in der Welt auslösen? Sind wir bereit, in der Zeit bis zum Europäischen Treffen in Tallinn als Pilger des Friedens aufzubrechen und unseren „Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde“ fortzusetzen?

Anlässlich des Abendgebets „Together“ fanden weltweit über 200 verschiedene Gebete in Verbundenheit mit Rom statt. Könnten wir bis Ostern 2024 darüber nachdenken, welche Initiativen wir als Pilger des Friedens in unseren jeweiligen Ländern heute ergreifen können? Wie können wir beten, uns treffen und sogar von Ort zu Ort, von Kirche zu Kirche gehen und Wege des Friedens suchen?

Die neuen Brüder unserer Communauté verbringen ein Jahr außerhalb von Taizé, um sich auf ihr Lebensengagement in unserer Gemeinschaft vorzubereiten. Ich möchte unseren Bruder Matthias bitten, von einem Erlebnis in Brasilien in diesem Jahr zu erzählen.

Frère Matthias spricht von einem Pilgerweg in Brasilien.

Damit möchte ich euch alle einladen, euch als Pilger des Friedens auf den Weg zu machen, und mit dem Gebet für den Frieden in eurer Gastgemeinde heute Abend zu beginnen. Schreibt uns über die Adresse in der App des Treffens, welche Initiativen ihr ergreifen möchtet! Und kommt dann an Ostern nach Taizé, wo wir weitere Neuigkeiten austauschen! Werden wir es wagen, uns erneut auf den Weg zu machen, nicht allein, sondern mit anderen, um uns auf unserem gemeinsamen Weg gegenseitig zu bereichern?

Letzte Aktualisierung: 28. Dezember 2023