Norwegen 2010

Das Treffen in Oslo und Trondheim – ein Traum

Eine Etappe auf dem „Pilgerweg des Vertrauens“ vorzubereiten, lässt einen zunächst einmal „träumen“, wie die Treffen im September in Oslo und Trondheim aussehen könnten. Im März besuchten dazu zwei Brüder Norwegen.

Der Traum, dass eine Stadt zusammenkommt

Wie viele andere Städte teilt Oslo ein Fluss. Der östliche und der westliche Stadtteil haben nur wenige Berührungspunkte und auf beiden Seiten gibt es Vorurteile über die Anderen. Wie können sich Menschen aus „Grønland”, einer Gegend mit vielen Einwanderern, und Leute, die in den Straßen um den Königspalaste wohnen, wirklich begegnen?

Man könnte davon träumen, dass zum Treffen Norweger von der Westküste bei philippinischen Gastfamilien aufgenommen werden und auf diese Weise das Leben von „Gastarbeitern“ in Norwegen kennen lernen.

Es könnte auch einen Workshop geben, bei dem junge Muslime und junge Christen sich einander zuhören und Fragen stellen. Keine Podiumsdiskussion unter Fachleuten, sondern einfach zusammensitzen, miteinander reden und entdecken, was wir gemeinsam haben.

Der Traum von einer lebendigen „Kirche“

In Norwegen ist für viele Menschen die Zugehörigkeit zur Staatskirche Teil ihrer nationalen Identität: man wächst in sie hinein durch Taufe, Konfirmation, Heirat und Beerdigung.
Dreiviertel der norwegischen Jugend nimmt an der Konfirmation teil, was für viele keine religiöse Bedeutung mehr hat. Es ist ein Brauch, den jeder mitmacht.
Sonntags geht kaum jemand zur Kirche. Nur 2 – 3 % der Bevölkerung nimmt regelmäßig an Gottesdiensten teil. Norwegen gehört damit in Europa zu den Ländern mit der geringsten Teilnahme am kirchlichen Leben.
Vielleicht erscheint den Menschen „im Norden“ der Glaube an Gott mehr als anderen als Aufgabe, Anstrengung oder harte Arbeit.
Auch die aus der Geschichte kommenden Teilungen in der Kirche taten ihr übriges; seit zweihundert Jahren hat Oslo zwei miteinander rivalisierende theologische Fakultäten (während des Treffens werden diese ein gemeinsames Symposium veranstalten).
Wie kann das Treffen im September ein Zeichen der Freude des Zusammenkommens sein, im gemeinsamen Singen, Zeichen der Solidarität und der Gemeinschaft, selbst für diejenigen, bei denen „eine Verkettung von Umständen, den Glauben auf den letzten Platz verwiesen hat“, wie es im Brief aus China heißt?

Taizé in Norwegen

Der „Pilgerweg des Vertrauens“ bedeutet nicht einfach, mit Ikonen und Gesängen aus Taizé in einer Stadt zu kommen.
Wie können diese Tage zu einem wahren Austausch werden. Die Gebete und Gesänge werden auf Norwegisch und Samisch gesungen. Für die Workshops und das Nachtcafé wird Musik eine wichtige Rolle spielen. Aber wie werden Besucher die norwegische „Seele“ entdecken – die von der weiten Landschaft und dem Leben in der Natur geprägt ist?
Wie werden sie die Bedeutung von „Gerechtigkeit“ verstehen, mit dem das Land seit Jahren zur Lösung von internationalen Konflikten in verschiedenen Teilen der Welt beiträgt?
Das norwegische Leben und die Regierung beruht auf einem Vertrauen, das in vielen Ländern der Welt unvorstellbar wäre. Wie können wir dieses Vertrauen wachsen lassen, das eine Gesellschaft leben lässt?

Printed from: http://www.taize.fr/de_article9985.html - 19 September 2019
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