Porto, Februar 2010

Ein Pilgerweg zu den „Quellen der Freude“

Vom 13. bis zum 16 Februar brachte ein „Iberisches Treffen“ 6.000 Jugendliche aus 26 verschiedenen Ländern in Porto zusammen. Zu den gemeinsamen Gebeten versammelten sie sich in einem Stadion und einer Kirche der Innenstadt. An jedem Abend sprach Frère Alois, der nach dem Treffen auf den Philippinen direkt aus Vietnam gekommen war, zu den Anwesenden. Hier einige Eindrücke, erschienen in einer örtlichen Tageszeitung:

Ich war vier Tage lang auf den Beinen. Auf einem „Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde“, der in Porto stattfand. Ich lief, nicht zu einem weltlichen Heiligtum, sondern zu einem Heiligtum spiritueller Art, zu den „Quellen der Freude“. Die engen Pfade wurden von U-Bahn-Linien ersetzt, die Herbergen auf dem Weg durch das Haus der Familie Dias im Stadtteil Lavadores, das Picknick unterwegs wurde als Mittagessen im Drachenstadion ausgeteilt. Doch das Wesentliche an einem „Pilgerweg“ blieb unberührt und lebendig - so wie ich meine Wanderschuhe benutzte, die bereits den Asphalt auf dem Weg nach Fatimá oder Santiago kennen: das Verlangen, zum „Bewusstsein, dem Heiligtum, in dem Menschen mit Gott allein sind“ zu gelangen.

Ein Pilgerweg ist ein besonderes Erlebnis für die, die sich aufmachen und das Risiko des Scheiterns eingehen, aber auch für jene, die andere aufgenommen haben und in diesem Fall noch mehr beschenkt wurden. Tausende junge Pilger begegneten tausenden Menschen, die ihr Zuhause den Fremden geöffnet hatten. Sie haben mehr miteinander geteilt, viel mehr als ihre Habe: ihr Leben, ihren Glauben, ihre Hoffnung. Es war ein Pilgerweg, den jeder der Jugendlichen zum Heiligtum einer Familie unternommen hat: zum geheiligten Ort der menschlichen Güte, des Vertrauens auf Gott und auf Andere. Das alles ohne die Gewissheit, dass es gut ausgehen würde, aber mit der Überzeugung, dass zumindest manches gelingen würde.

Doch was ist diese Freude? Was ist diese Verrücktheit, die uns motiviert?

Was uns motiviert, ist die unaufdringliche Sicherheit, dass Gott unserem Arbeiten und Mühen einen Sinn verleiht; die Möglichkeit, jemandem ein Lächeln zu schenken; unsere tränenüberströmten Gesichter, denn nur ein Lächeln würde nicht unsere Freude ausdrücken und Lachen wäre zu banal für etwas so Eindringliches. Dies verleiht uns die Sicherheit, dass der Weg zu Gott die Einfachheit ist und dass die Liebe in all ihren Facetten das einzige Gefühl ist, das dem Menschen eigen ist.

Wie nach jedem Pilgerweg bleibt in uns eine Spur von denen, die uns auf dem Weg berührt haben und mit denen wir Kontakt knüpfen konnten. Es bleibt das Verlangen, wieder aufzubrechen, überzeugt, dass jedes Ankommen - auch wenn wir noch weit vom eigentlichen Ziel entfernt sind - eine Art Wegmarke ist, die uns zeigt, dass wir noch in die richtige Richtung laufen, Gott entgegen.

Nuno Fulgado, in O Distrito de Portalegre vom 18. Februar 2010

Fotos vom Treffen [http://www.flickr.com/photos/wiesia/sets/72157623410754722]

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