„Posen, Hauptstadt der Jugend Europas“

Vom 29. Dezember bis 2. Januar waren 30.000 Jugendliche aus ganz Europa zum 32. Europäischen Jugendtreffen der Communauté von Taizé in Posen zusammengekommen. Das Ereignis war von 2000 polnischen Freiwilligen und 150 gastgebenden Kirchengemeinden minutiös vorbereitet worden. Auszüge aus dem Korrespondentenbericht der französischen Tageszeitung La Croix :

Vom 29. Dezember bis 2. Januar waren 30.000 Jugendliche aus ganz Europa zum 32. Europäischen Jugendtreffen der Communauté von Taizé in Posen zusammengekommen. Das Ereignis war von 2000 polnischen Freiwilligen und 150 gastgebenden Kirchengemeinden minutiös vorbereitet worden.

Die Vororte der Stadt lagen am Dienstagmorgen noch im Schlaf, doch die Wyzwolenia-Straße war voller Leben; ein endloser Strom von Bussen, Sicherheitsfahrzeugen und mit schweren Rucksäcken bepackte Pilger.

Bereits lange vor Sonnenaufgang hatten zwanzig Polizeibeamte Zäune aufgestellt, um den Strom von Bussen aus Frankreich, Italien und den Niederlanden zu leiten, die an diesem Morgen hier erwartet wurde, genauso wie an zehn weiteren Orten in der Stadt. Antoinette (18), eine der freiwilligen Helfer, klettert in ihrer signalorangenen Weste mit einem herzlichen „Witajcie!“ (Willkommen) in den Bus aus Lille.

Maxime (21), verantwortlich für die Gruppe aus Nord-Pas-de-Calais – mit Ringen unter den Augen und einer schwachen Stimme nach „16 Stunden Singen in einem Reisebus“ – fasst die Erwartungen der 114 Jugendlichen, die mit ihm angereist waren, so zusammen: „Viele kennen Taizé nicht, aber sind schon gespannt darauf, diese einzigartige Form zu entdecken, ihren Glauben in der Begegnung mit anderen und in Innerlichkeit zu leben.“

Für andere langjährige Teilnehmer an diesem 1978 von Frère Roger begonnenen „Pilgerwegen des Vertrauens“ ist die Reise nach Posen eine „einmalige Gelegenheit, eine spirituelle ’Rast’ am Ende des Jahres und vor den Halbjahresprüfungen einzulegen“, so Eve (21) aus Lille, Hebamme in der Ausbildung, für die es das vierte Europäische Treffen war.

In der Straßenbahn auf dem Weg in ihre Gastgemeinde beschreiben Eve und ihre gleichaltrigen Freunde Floriane und Clémence die einzigartige Atmosphäre, die sie seit Jahren schätzen: „Jugendliche aus ganz Europa treffen, miteinander zu reden, aber vor allem gemeinsam zu beten, all das ist unendlich wertvoll.“

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Clémence braucht diese Treffen, um „wichtige Entscheidungen im Berufs- und persönlichen Leben“ treffen zu können. Wenn auch ihre Motivationen nicht alle gleich sind, in einem ist sich unser Trio aus Nordfrankreich einig: die Freude, in Polen zu sein. „Die Jugendlichen aus Polen reisen immer Tausende von Kilometern, um zu den Treffen oder nach Taizé zu kommen. Für uns ist es also das Mindeste, hierhin zu kommen.“

Auch wenn sie schon von der legendären Gastfreundschaft der Polen gehört haben, bereits an der Straßenbahnhaltestelle in Empfangen genommen zu werden, hatte wohl keiner erwartet: zur Matki Odkupiciela-Gemeinde ist es nicht weit, doch Piotrek und seine Freunde tragen das schwere Gepäck.

„Euch bei uns zu empfangen, ist die beste Neujahrsfeier; man kann so viele Menschen kennenlernen, so viele Länder, so viele Kulturen“, sagt er, als wir am Gemeindehaus eintreffen, das wie ein Turm zu Babel wirkt; jede Gastfamilie versucht, erste Worte mit ihren Gästen zu wechseln.

Am Montagabend, kurz vor dem Treffen, legen junge polnische Freiwillige letzte Hand bei den Vorbereitungen zum Empfang an. Andrzej (25), eine der Säulen des Treffens, hält sein Handy bereit, um die vier Empfangsteams zu koordinieren, die die 19.000 Polen an ihrem Ankunftsort empfangen werden.

„Der anstrengendste Augenblick ist der Abend vor dem Ankunftstag“, bestätigt Frère Emile, einer der Koordinatoren des Treffens. Mit der Unterbringung gibt es dagegen keine Sorgen: „Die Familien haben sich in großer Zahl gemeldet. Es werden nicht nur alle Teilnehmer in Familien unterkommen, sondern einige Familien werden unglücklicherweise keine Gäste zuhause begrüßen können.“

Die Stadt wollte dieses Treffen wirklich. Der Erzbischof von Posen, Stanislaw Gądecki, sandte 2003 eine besondere Einladung an die Brüder von Taizé. Gleich nach dem Treffen in Brüssel im vergangenen Jahr, wo Posen angekündigt wurde, machten sich Freiwillige wie Andrzej an die Arbeit. Er reiste kreuz und quer durchs Land, um „die Truppen zu mobilisieren“, wie er mit einem Lächeln sagt.

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In Gemeinden, Schulen und Universitäten erinnerte er Jugendliche daran, dass „sie keine Angst haben dürfen, ihren Platz in der Kirche einzunehmen. Wenn die Gemeinden es noch schaffen, Jugendliche zu mobilisieren, so wird die Veränderung doch Schritt für Schritt kommen.“ Seit zehn Jahren fährt er nach Taizé. „Solche Schlüsselmoment stärken die Verbindung zwischen den Jugendlichen und der Kirche.“

In den Messehallen machten sich fast 1500 Freiwillige daran, Wegweiser aufzustellen und vor allem die großen, kalten Wände mithilfe von Stoffbahnen in warmen Farben freundlich zu gestalten, die in den letzten Monate von Brüdern der Communauté vorbereitet worden waren.

Am Dienstagabend waren die Hallen dann bereit, die Menschen zum ersten gemeinsamen Gebet zu empfangen. Die Gebete dreimal am Tag sind wie auf dem Hügel im Burgund das Herz dieses Treffens.

„Man muss ein Gebet während eines Europäischen Taizé-Treffens erlebt haben, um die Tiefe und Kraft eines solchen Ereignisses zu spüren“, sagt Victor, einer von 1500 teilnehmenden Ukrainern. Sie sind die zweitgrößte Gruppe nach den Polen, etwa genauso viele wie die jungen Franzosen.

Diese Tausenden von Jugendlichen sitzen auf dem Boden - mit keiner anderen Fahne als ihrem Glauben - und vor dem Altar knien die Brüder aus Taizé in ihren weißen Gewändern. Die Gesänge sind schlicht, meditativ und werden von der Menge lange Zeit wieder holt.

Und vor allem anderen: die Zeiten der Stille. Frère Alois rief die tausenden von Jugendlichen auf, die ruhig dasitzen, ihre Köpfe in den Händen verborgen, ihre „Herzen zu ändern“ um „als Christen dazu beizutragen, das Angesicht der Welt zu prägen, die am Entstehen ist.“

Anna Latron aus Posen, La Croix vom 31. Dezember 2009

Printed from: http://www.taize.fr/de_article9683.html - 19 September 2019
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