Ukraine: Oktober 2009

Grenzen überschreiten und so die Kirche entdecken

Unter den Jugendlichen aus Kiew, die kürzlich Taizé besucht haben, kam die Idee eines „Tag des Vertrauens“ auf. Dieser konkrete Schritt auf dem Pilgerweg des Vertrauens sollte mit Jugendlichen verschiedener Konfessionen gemacht werden. Um das Treffen Jugendlichen mit unterschiedlichen Hintergründen zu öffnen, wurde es an einer der großen Universitäten der Stadt, der Kiew-Mohyla Akademie, vorbereitet. Eine Gruppe von Freiwilligen investierte mehrere Monate in die Vorbereitung, einige von ihnen waren bereits im St. Clemens-Zentrum aktiv, das in ökumenischer Berufung Christen des Ostens und Westens zusammenbringt.

Am kühlen Morgen des Samstag, 17. Oktober, trafen zahlreiche Jugendliche aus der Gegend von Kiew, aber auch aus anderen Teilen der Ukraine und sogar Weißrusslands am Kulturzentrum der Universität ein – der Weg war mit vielen Wegweisern ausgeschildert. Nach einer Tasse heißen Tees begann der Tag mit einigen Gesängen aus Taizé und einigen Worten des Empfangs vom Präsidenten der Universität und dem Philosophieprofessor Konstantin Sigor, Direktor des St. Clemens-Zentrums. Nach einer Bibeleinführung durch einen Bruder aus Taizé fanden sich die Teilnehmer zum Austausch in Kleingruppen zusammen, um über Fragen zu sprechen wie: „Tragen uns andere im Glauben, und wie können wir selbst anderen helfen, zu glauben?“ Es war bewegend zu sehen, wie nicht nur junge Menschen sondern auch Pfarrer der verschiedenen Kirchen sich gemeinsam austauschten.

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Ein kurzer Fußweg führte zur katholischen Kathedrale, wo das Mittagsgebet stattfand. Obwohl der Strom ausfiel, füllten die Gesänge den Raum. Nach dem Verlassen der Kirche lud das sonnige Wetter zum Mittagessen im Park neben Wladimirhügel – dem Ort, von dem der christliche Glaube vor 1020 Jahren in der Kiewer Rus seinen Ausgang nahm.

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Der Pilgerweg setzte sich in verschiedenen Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen fort, wo sich Christen in zahlreiche Initiativen engagieren: Eine Gruppe von Jugendlichen, die regelmäßig Gefangene besucht; andere, die sich um Waisenkinder kümmern; Jugendleiter von Pfadfindergruppen; die Schwestern der Nächstenliebe und Freiwillige, die Obdachlose mit warmer Suppe versorgen... Andere Workshops beschäftigten sich mit der Frage des Rufs Gottes für jede einzelne Person oder der Unterdrückung der Kirche in der Zeit des Kommunismus. Für viele der Jugendlichen erlaubte der Nachmittag auch, das Leben der Kirche in der eigenen Stadt neu zu entdecken, indem sie auf andere zugingen und zuhörten.

Später am Tag trafen sich dann alle im Lavra-Kloster bei Kiew, wo sie der orthodoxe Bischof Hilari in seiner Kirche herzlich empfing. Er sagte, wie wichtig es sei, dass sich junge Christen aus verschiedenen Traditionen treffen, da sie die Zukunft der Kirche sind. Er betonte auch die Notwendigkeit, sich gegenseitig zu verstehen, sich kennenzulernen, um anderen zu helfen, und um zu wissen, was im Herzen des Nächsten vorgeht. Er nahm sich auch Zeit, auf persönliche Fragen zu seinem Glaubensweg zu antworten. Während des Vespergebets füllte sich die Kirche mit Weihrauch und dem Gesang zweier Chöre: Die jungen Seminaristen der theologischen Hochschule sowie ein gemischter Chor unterstützten gemeinsam den Gesang der Anwesenden.

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Der Tag schloss in einem nahegelegenen Museum mit einem kurzen Austausch über die gemachten Entdeckungen und Erfahrungen. Es war klar, dass das Treffen kein schlichtes „Event“ war, sondern Früchte über den Tag hinaus tragen wird. Durch diesen „Tag des Vertrauens“ konnte jeder entdecken, dass es möglich ist, einander zu begegnen und sich gemeinsam Christus, der Quelle unserer Gemeinschaft, zuzuwenden.

Printed from: http://www.taize.fr/de_article9212.html - 24 June 2019
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