Griechenland 2009: Ein Land der Kontraste

Im Mai 2009 war ein Bruder zu Besuchen in Griechenland. Nach seiner Rückkehr schrieb er:

„In einer ländlichen Gegend im Norden des Landes nehmen einige Pfarrer an einer Fortbildungsveranstaltung teil. Sie sind zwischen 30 und 60 Jahre alt. Der Professor aus Saloniki ist weit jünger ist als die meisten seiner Schüler. Da es auch im Mai um drei Uhr nachmittags noch sehr warm ist, findet der Liturgiekurs heute nicht im Klassenzimmer, sondern in eine Laube vor der Schule statt, von wo man den schneebedeckten Gipfel des Olymps sieht. Der Besuch eines Christen aus dem Westen bietet Anlass zum Gespräch über anderes: über Taizé, des Gebetslebens dort und die Jugendtreffen. Ein Austausch beginnt, und trotz der großer Unterschiede zwischen dem Leben in den Gemeinden der Pfarrer hier und dem in Taizé, ähneln sich die Fragen: Wie kann die Kirche Jugendlichen zuhören, wie ihnen einen Platz einräumen?

In der Innenstadt von Athen: Nach einem Besuch im Büro des Erzbischofs am Vormittag kommen der junge Generalvikar und ein weiterer orthodoxer Priester für die Essensausgabe in die Suppenküche des Stadtteils. Die meisten Leute hier sind illegale Einwanderer. In den Straßen meint man, die ganze Welt ist hier versammelt. Man begegnet Afrikanern, Menschen aus dem Nahen und Fernen Ostern sowie aus weiteren asiatischen Ländern. Auf einem kleinen Platz hinter einem Gitter neben der Straße bauen Ehrenamtliche die Essensverteilung auf. Als das Tor aufgeht, drängen über Tausend Menschen herein, um etwas zu essen und eine Flasche Wasser zu bekommen. Der Generalvikar überwacht das Ganze, spricht mit dem einen und dem anderen. Orthodoxe Priester und Ehrenamtliche, ein anglikanischer Pfarrer aus der Stadt und vier Pfarrer einer afrikanischen Pfingstgemeinde helfen mit. Sie kennen die Situation im Stadtteil sehr gut und sind sehr engagiert.

In einem anderen Teil Athens steht eine wunderschöne, kleine Kirche in einem Park, eine typische Hochzeitskirche. 30 Jugendliche treffen sich am Dienstag hier mit ihrem orthodoxen Diözesanjugendpfarrer zusammen. Es gibt kein Gemeindehaus; das Treffen findet in der Kirche statt: ein paar Bänke müssen zu einem Kreis zusammengerückt werden. Einer der Jugendlichen erzählt von seinen Erfahrungen in Frankreich: er sah große, halbleere Kirchen. Nur in polnischen oder portugiesischen Gemeinde sah er mehr Leute. Er fragte sich, wie das in den nächsten Jahren in Griechenland aussehen werde. Das Gespräch ging noch einige Zeit weiter, bis wir merkten, dass auch wir oft andere Menschen vermissen. Der Priester erklärte dazu die Pfingstikone: die Apostel und Maria bilden keinen geschlossen Kreis; er ist auf die Welt hin offen.

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