Seit Jahrzehnten verbunden

Taizé und Indien

Seit langem fahren Brüder und Jugendliche von Taizé aus nach Indien, kommen junge Inder nach Taizé.

Nach dem ersten Jugendtreffen in Madras 1985 machten sich die ersten Gruppen des Subkontinents auf den Weg nach Taizé. Sie kamen aus allen Teilen Indiens und spiegelten die Vielfalt der Kulturen dieses riesigen Landes wider. Sie wurden durch ihre Ortskirchen oder Jugendverbände ausgewählt und verbrachten für die Dauer eines Visums jeweils drei Monate in Taizé. Während dieser Zeit tauschten sie sich mit Jugendlichen verschiedenster Länder über die Art aus, wie sie zuhause in Indien den Glauben leben, welche Herausforderungen und Fragen sich in den Zeiten eines großen Umbruchs in der indischen Gesellschaft stellen.
Eddie Edezhath, einer der Jugendlichen, die auf den Hügel kamen, schreibt: „Jedes Jahr verbringen einige Jugendliche unseres Verbandes einige Monate in Taize. Es ist für sie eine Zeit der Auffrischung und Vertiefung. Sie kommen ganz unbeschwert wieder, mit erneuerter Begeisterung, und bereichern das Leben unserer geistlichen Bewegung sehr.“

Madras

Die internationalen Jugendtreffen 1985 und 1988 in Madras waren für alle Teilnehmer unvergeßliche Ereignisse. Zu jedem der beiden Treffen kamen mehrere Tausend junge Inder aus dem ganzen Land und vielen verschiedenen Kirchen... wie auch Jugendliche aus anderen asiatischen Ländern und sogar von anderen Erdteilen. Im Dom von Madras-Mylapore ist der Apostel Thomas begraben. Das christliche Leben reicht also bis in die erste Zeit zurück, und noch heute lebt dort eine der zahlreichsten christlichen Gemeinden Indiens.

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1991 schrieb die Jugendkommission der katholischen Bischofskonferenz: „Das bedeutendste Ereignis von 1985 war das durch die Brüder von Taizé in Gemeinschaft mit der Bischofskonferenz vorbereitete Jugendtreffen in Madras. Zum ersten Mal in der Kirchengeschichte Indiens waren derart viele Jugendliche versammelt. Eine ganz natürliche Auswirkung dieses Treffens war die Erneuerung der Jugendarbeit allerorten.“

Erzbischof Thomas Menamparampil, der ehemalige Vorsitzende der Kommission für die Evangelisierung der asiatischen Bischofskonferenzen, schrieb: „Taizé ist dabei, Asien für seine eigene spirituelle Identität zu wecken, und schlägt Brücken zwischen den Kulturen, indem es verschiedene Mentalitäten zusammenführt und alle auf ihre inneren Quellen verweist.“

Treffen in einzelnen Gegenden

Was ist seit dem Jugendtreffen in Madras geschehen? Im Lauf der Jahre gab es zu viele und verschiedene Treffen, um alle aufzuzählen, von Assam bis Tamil Nadu, von Meghalaya bis Kerala. 1996 kamen Hunderte von Jugendlichen aus Gumla, Hazaribagh, Simgeda, Dumka und Munzafarpur zu einem „Pilgerweg des Vertrauens“ in Ranchi zusammen. 2001 fand ein ähnliches Treffen in Andhra Pradesh statt.
“Drei Wochen lang reisten im Jahr 2000 mehrere junge Inder und ein Bruder von Taizé quer durch den Subkontinent, hielten Treffen und Zeiten des Gebets. Alle waren eingeladen mitzumachen, über alle Sprach-, Kasten-, Religions- und Generationsbarrieren hinweg. Die Stationen auf dem Pilgerweg wurden ganz verschieden gewählt. Im Zentrum der Hauptstadt New Dehli und am Stadtrand der Großstadt Vasai, in der Metropole Bombay und im Dorf Dornakal, an einem Ort der Stille, Brotherhood House, und an einem Ort, an dem sich die einfachen Leute begegnen, Vellankani.”
Das Grundthema aller Treffen ist „Inneres Leben und Solidarität mit den Menschen“. Manchmal ist es möglich, Gesten der Solidarität zu setzen. Nach dem Erdbeben von Gujarat im Januar 2001 fuhren der Bezirksbeauftragte der Jugendarbeit und zwei Jugendliche aus Andhra Pradesh in Zusammenarbeit mit den Brüdern von Taizé dorthin, um die Lage im verwüsteten Gebiet zu sondieren. Nach diesem Besuch wurden Familien, die bei der Katastrophe alles verloren hatten, materiell unterstützt.
Die Jugendlichen, die länger in Taizé waren, treffen sich nachher regelmäßig und führen ihre Erfahrungen zuhause im Alltag fort. Häufig sind Brüder eingeladen, gemeinsame Gebete zu halten, unter anderem bei nationalen Treffen Jugendlicher verschiedener Kirchen.

Kalkutta

Der Name der Metropole Kalkutta hat für viele Brüder in Taizé einen besonderen Klang. Im Herbst 2006 werden es 30 Jahre, daß Frère Roger zum ersten Mal dort einige Zeit in der Nähe von Mutter Teresa wohnte. In den 60er, 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts lebten verschiedentlich Brüder in kleinen Fraternitäten für längere Zeit in Kalkutta. Ende 1976 kam Frère Roger mit einigen Brüder und einer Gruppe Jugendlicher aus allen Kontinenten dorthin. Es wurde der erste der künftigen Jahresbriefe, die Frère Roger an die Jugendlichen richtete, verfaßt.

Frère Roger kehrte 1997 zum Begräbnis Mutter Teresas dorthin zurück. Bei aller Trauer war er sehr froh, noch einmal nach Indien und Kalkutta reisen zu können. Er konnte im Stadtviertel einige Menschen wiedersehen, die er bei seinem ersten Besuch kennengelernt hatte. Er wohnte bei der selben Familie, in der auch schon 1976 jeden Abend um halb acht Uhr das Abendgebet im Haus gehalten wurde.
Frère Alois, der Frère Rogers Aufgabe weiterführt, ist beim Treffen vom 5. bis 9. Oktober 2006 in Kalkutta mit mehreren Brüdern dabei. Es wird eine wichtige Etappe auf dem „Pilgerweg des Vertrauens“ in Indien.

Printed from: http://www.taize.fr/de_article3274.html - 25 May 2019
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