Frère François (1929-2018)

Sieds Stoop wurde am 11. August 1929 in Leeuwarden in Friesland im Norden der Niederlande geboren. Er trat 1951 in die Communauté von Taizé ein und nahm den Namen François an.

Sein Vater war Rechtsanwalt und er hatte zwei Brüder, die vor ihm starben. Er war Mitglied der Reformierten Kirche der Niederlande und studierte Theologie in Utrecht sowie in Genf, wo er im Juli 1954 sein Examen mit einer Arbeit über die „geistliche Einkehr“ ablegte.

Wie zur damaligen Zeit üblich, legte er nach anderthalb Jahren, an Ostern 1953, sein Lebensengagement in der Communauté ab. Bereits in jungen Jahren übertrug ihm Frère Roger wichtige Aufgaben. Seit 1953 besuchte er regelmäßig die Schwesterngemeinschaft von Grandchamp in der Schweiz, die er bis zu seinem Lebensende begleitete. Frère François verfügte über ein außergewöhnlich großes Unterscheidungsvermögen und war ab 1954 jahrzehntelang für die Vorbereitung der jungen Brüder der Communauté verantwortlich.

Auch absolvierte Frère François – wie es damals für die Brüder, die vor ihrem Eintritt in die Communauté einen Weg in der Seelsorge eingeschlagen hatten, üblich war – im Jahr 1956 ein Praktikum in der evangelisch-lutherischen Gemeinde von Chagey, in der Nähe von Montbéliard, wo er 1957 zum Pfarrer ordiniert wurde.


Im Laufe seines Lebens hat er viele Priester, Pfarrer und Ordensleute aus zahlreichen Ländern begleitet, die seine seelsorgliche Erfahrung sehr schätzten.

Frère François kannte die Bibel außerordentlich gut und verfolgte aufmerksam die Entwicklung der modernen Exegese. Seine lebenslange Betrachtung der Heiligen Schrift fasste er in einem kleinen Buch mit dem Titel „Suivre le Christ et se faire disciple“ (Christus nachfolgen und sein Jünger werden) zusammen.

Er war Musiker, spielte bereits als Student in Utrecht in einem Orchester Flöte und dann in Taizé Orgel. Mehrere der Gesänge aus Taizé stammen von ihm.

Frère François starb plötzlich und unerwartet am Donnerstag, dem 18. Oktober 2018, während des Abendgebets, in seinem 90. Lebensjahr.

Es war sein Wunsch, dass bei seinem Begräbnis keine großen Worte gemacht werden. Frère François wurde am Sonntagmorgen, den 21. Oktober in Anwesenheit einer seiner Schwägerinnen und seiner zahlreichen Neffen und Nichten beerdigt.


Gebet von Frère Alois

Gott aller Menschen, wir vertrauen dir unseren Bruder François an. Du nimmst ihn jetzt in das Leben in Fülle auf.

Sein Leben hat viel Frucht getragen. Bereits in jungen Jahren hast du ihn berufen, seine Heimat, die Niederlande, zu verlassen und in die Communauté einzutreten. Stets hat er Frère Roger in all den Entwicklungen und Veränderungen unterstützt, welche die Communauté durchlebt hat. Er wusste, dass du uns auf unserem gemeinsamen Abenteuer dazu aufforderst, von Neubeginn zu Neubeginn voranzugehen. Mit Leidenschaft hat er sich stets für die Einheit des Leibes Christi, deiner Kirche, eingesetzt.

Ja, sein Leben hat viel Frucht getragen. Du hast es ihm geschenkt, viele Menschen in den verschiedensten Lebenssituationen mit großem Verständnis zu begleiten. Durch sein diskretes und treues Zuhören hat er Menschen Mut gemacht, sich den notwendigen Reifeprozessen in ihrem Leben zu stellen. Gleichzeitig konnte er seinen tiefen Sinn für Schönheit, Kunst, Musik und Natur anderen weitergeben.

Die Liebe unseres Bruders François zu deinem Wort hat unsere Communauté tief geprägt. Er ließ sich vom auferstandenen Christus leiten. Frère François verstand dieses Wort Jesu: „Ich nenne euch Freunde“, und er hat das Vertrauen, das in diesen Worten liegt, weitergegeben. Diese Freundschaft Jesu ist stärker als das Böse, das es im menschlichen Leben und in der Welt geben kann.

Gott aller Liebe, gelobt seist du für das Leben unseres Bruders François: Es hat viel Frucht getragen, eine Frucht, die bleibt.


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