„Alles begann mit einem Schritt des Vertrauens“ ...
Gedanken von John de Gruchy

Der Pilgerweg des Vertrauens 2019, Taizé – Kapstadt

Ein Pilgerweg ist ein Versuch, ein vertrauensvolles Leben aufzubauen, zu erleben und zu erlernen. Von dem Moment an, in dem wir das Haus verlassen, in den Bus steigen, den Zug oder das Flugzeug in Richtung Kapstadt besteigen, überschreiten wir Grenzen – vom Bekannten zum Unbekannten, von Zuhause in die Gastfreundschaft von Fremden, von der Sicherheit unserer Umfelds zur Unsicherheit des Miteinanders mit anderen, die uns fremd sind. Zu lernen, uns selbst zu vertrauen, anderen zu vertrauen und anderen zu ermöglichen, uns zu vertrauen, macht die Reise möglich. Es macht sie auch aufregend, verändernd, stärkend und fröhlich.

Reisen im Vertrauen macht uns offen für das Unerwartete; es ist eine Reise, auf der wir Dinge über uns selbst entdecken, die wir vorher nicht kannten, Grenzen überschreiten, die wir vorher fürchteten; Leute kennenlernen, denen wir noch nie zuvor begegnet sind oder es nicht für möglich hielten, sie zu Freunden zu haben. Wenn wir offen sind, anderen zu vertrauen, bereit sind, ihre Gastfreundschaft anzunehmen und ein Gespräch mit ihnen zu beginnen, nehmen Freundschaften ihren Anfang und vertiefen sich Schritt für Schritt. Solche Freundschaften können ein Leben lang halten. Sie gehen über Altersgruppen, Ideologien, Nationalitäten und die vielen Klüfte hinweg, die das Vertrauen untergraben. Sie helfen uns auch, in Gespräche einzutreten, die vorher nicht möglich waren, als Rhetorik und Argumentation vorherrschten. Dadurch lernen wir, wir selbst zu sein, anstatt zu versuchen, jemand anderes zu sein. Wir finden unser wahres Selbst und beginnen ein bescheidenes Selbstbewusstsein zu entwickeln, durch das wir uns so wohlfühlen wie wir sind, anstatt zu versuchen, das zu sein, was wir nicht sind. Wir können anfangen, anderen immer mehr zu vertrauen und schöpfen Vertrauen in unserer Beziehung zu ihnen.

Vertrauen ist grundlegend, um ein Jünger Christi zu werden und zu sein. Ihm zu nachzufolgen ist eine Reise – mit anderen und mit sich allein. Dann beginnen wir zu verstehen, einander zu schätzen und in Gemeinschaft zu leben; wir entdecken auch, dass wir in Stille allein sein können, darüber nachdenken können, was wirklich wichtig für uns ist, was uns inspiriert und motiviert. Wenn wir tiefer in uns hineingehen, reisen wir auch tiefer zu Christus und tiefer in die Gemeinschaft unserer Mitpilger. Das Leben hat für uns plötzlich einen neue Sinn bekommen, der es uns ermöglicht, erneuert von dort zurückzukehren, bereit, etwas in der Welt, in der wir leben, zu verändern. Aber jetzt wissen wir, dass wir Teil einer größeren Gemeinschaft sind, die durch Freundschaft und Solidarität verbunden ist und eine neue und bessere Welt des Friedens und der Gerechtigkeit anstrebt. Das Wunder ist, dass alles mit einem vertrauensvollen Schritt begonnen hat, einem Schritt ins Unbekannte. Nur dass wir jetzt wissen, dass wir nicht alleine waren.

John de Gruchy, 30.3.18, Volmoed

Printed from: http://www.taize.fr/de_article24232.html - 22 November 2019
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