Die Geschichte Lettlands in Kurzform (1)

Ein Bruder schreibt:

„Als ich klein war, hatte ich einen guten Freund, der Eriks hieß. Dieser Name war bei uns in Yorkshire nicht sehr verbreitet. Seine Familie stammte aus Lettland, wo seine Eltern 1940 auswanderten. In meiner Heimatstadt gab es eine ziemlich große lettische Gemeinde. Jedes Wochenende musste er in der Lettischen Schule die Sprache seines Landes lernen und sich mit der Tradition vertraut machen. So wusste ich schon sehr früh, wo Lettland war, zu einer Zeit, als kaum jemand wusste, dass es dieses Land überhaupt gibt, das von der Sowjetunion ‚geschluckt‘ worden war.“

Lettland grenzt im Norden an Estland, im Osten an Russland, im Südosten an Weißrussland und im Süden an Litauen. Aber die Grenzen des Landes sind noch nicht alt und Lettland besteht aus vier historischen Gebieten, die jeweils ihre eigene Geschichte haben: Livland, Lettgallen, Semgallen und Kurland.


© Latvian Institute 2004

Der Fluss Düna, der in den russischen Sümpfen in der Nähe von Smolensk entspringt, fließt bei Riga in die Ostsee. Dieser Fluss ist seit frühester Zeit ein Handelsweg. Die ersten Vorfahren der Letten ließen sich um das Jahr 3000 v. Chr. in der Gegend nieder.
Erst gegen Ende des 12. Jh. werden christliche Missionare in die Gegend entsandt. Im Jahr 1184 zieht Meinhard von Segeberg an der Düna entlang bis nach Uexküll. Er lebt dort einige Zeit und lernt die Landessprache; seine Mission hingegen scheitert. Im Jahr 1193 ruft Papst Celestin III. zu einem Kreuzzug nach Nordeuropa auf, um die heidnischen Stämme zu missionieren. Dies ist die Zeit des „Livländischen Ordens“. Das Christentum kommt also durch einen Eroberungsfeldzug ins Land.

Das von den Kreuzrittern eroberte Gebiet war von den Liven bewohnt, daher der Name Livland, aber ursprünglich hieß das Gebiet „Terra Mariana“ – das Maria geweihte Land und umfasst das heutige Lettland und Estland.

1201 wird Riga gegründet, das sich in der Folge zu einer der großen Hafenstädte der Hanse entwickelt. Durch die Hanse und den „Livländischen Orden“ gelangte die Gegend unter deutschen Einfluss.

Die regionale Vormachtstellung haben in dieser Zeit Polen und Litauen, die ab dem 14. Jh. eine Personalunion bilden. Um die Mitte des 16. Jh. bricht der Livländische Krieg aus, in dem sich Russland und eine Koalition mit Polen-Litauen gegenüberstehen. Letztere nehmen Lettgallen, den östlichen Teil des Landes ein. Die Reformation setzt sich gegen Ende des 16. Jh. vor allem in den deutschsprachigen Gemeinden Rigas durch.

Im 17. Jh. erstarkt Schweden und nimmt den größten Teil des heutigen Lettlands ein. Riga wird damit zur größten Stadt im Schwedischen Reich.

1629 wird die Reformation endgültig in Livland, Semgallen und Kurland eingeführt. Lettgallen bleibt hingegen Polnisch und nimmt eine andere Entwicklung. Das Lettgallische, eine dem Lettischen verwandte Sprache, wird bis heute gesprochen und die Gegend ist stark katholisch geprägt. Eine Marienwallfahrt in der kleinen Stadt Aglona zieht jedes Jahr am 15. August Menschen bis aus Litauen und Polen an.

Ein Jahrhundert später übernimmt Russland unter Zar Peter dem Großen die Vorherrschaft. Dieser besiegt Karl XII., den schwedischen König, bei Poltava, und Kurland wird Teil des Russischen Reiches. Lettgallen bleibt noch 80 Jahre unter polnischer Oberherrschaft, wird aber Ende des 18. Jh. ebenfalls russisch.

Kurland und Semgallen bilden bis 1795 eine eigenständige Grafschaft innerhalb von Polen-Litauen, als diese ins Russische Reich eingegliedert wird und haben sogar Kolonien in der Karibik, auf Tobago und Gambia, wo sie jeweils Handelskontore errichten.

Mitte des 19. Jh. beginnen die nationalen Erhebungen in Europa. Seit der Besetzung durch den Livländischen Orden war der Großgrundbesitz in deutscher Hand. Die lettische Nationalbewegung im 19. Jh. verbündet sich mit der Slawophilen Bewegung, also mit Russland, gegen die deutschstämmigen Grundherren. 1905 bricht die erste Revolution in Russland aus, wodurch die Nationalbewegung – mit sozialistischer Prägung – großen Auftrieb erhält. Diese Revolution scheitert und das Russische Reich besteht fort.

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