Frère Alois 2014

Vier Vorschläge, um die sichtbare Gemeinschaft all derer zu suchen, die Christus lieben

Der Brief „Auf dem Weg zu einer neuen Solidarität“ wird unsere gemeinsamen Suche, die uns in mehreren Etappen bis 2015 führt, begleiten. Im kommenden Jahr geht es darum, „nach sichtbarer Gemeinschaft all derer zu suchen, die Christus lieben“. Hier vier Vorschläge, um diesen Weg weiterzugehen:
Christus schenkte seine Freundschaft allen, er wies keinen Menschen ab. Die, die auf der ganzen Erde Christus lieben, leben in seiner Nachfolge eine umfassende Freundschaft, die Gemeinschaft in Christus. Dies befähigt sie, einen Beitrag zur Heilung der Wunden der Menschheit zu leisten. Ohne sich aufzudrängen, können sie eine weltweite Solidarität vorantreiben, die niemanden mehr ausschließt, weder einen Einzelnen noch ein ganzes Volk.
 
Wie kann jeder Einzelne diesen Weg mitgehen?

Erster Vorschlag - Sich der Gemeinde vor Ort und ihrem Gebet anschließen


Liebt einander! Daran werden alle erkennen,
dass ihr meine Jünger seid. (Johannes 13,34-35)

Bei bestimmten Gelegenheiten wie zum Beispiel bei internationalen Treffen wird diese Gemeinschaft, die Freundschaft ist, sichtbar. Doch dies sind punktuelle Ereignisse. Ein Stück dieser großen Gemeinschaft, so ärmlich es auch sein mag, kann man überall finden. Den Glauben kann man nicht alleine leben. Glaube entsteht, indem man eine Erfahrung der Gemeinschaft macht und dabei entdeckt, dass in Christus die Quelle einer Einheit liegt, die keine Grenzen hat.

Wenn die Ortsgemeinde (auch Kirchengemeinde genannt) und die verschiedensten Gruppen in ihr immer mehr zu Orten der Freundschaft würden, an denen wir auf andere zugehen und einander unterstützen! Wenn wir die Schwächsten und die Fremden nicht übersehen und auch diejenigen schätzen, die unsere Ideen nicht teilen...

Vorschlag für alle: Können wir nicht dadurch, dass wir mit Menschen, die wir uns nicht ausgesucht haben, am Sonntagsgottesdienst oder auch an bestimmten Aktivitäten teilnehmen, eine Erfahrung von Gemeinschaft machen?

Vorschlag für die in der Seelsorge vor Ort Verantwortlichen: Jungen Menschen zuhören, ihnen mit Offenheit begegnen und auf das eingehen, was sie für die Gemeinde am Ort tun können; Aufmerksamkeit und Wohlwollen bei der älteren Generation wecken.


Zweiter Vorschlag - Über einengende Grenzen hinausgehen, um Freundschaft entstehen zu lassen


Was ihr für einen der Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan.
(Matthäus 25,40)

Jesus begegnete den Menschen mit großer Aufmerksamkeit, vor allem Armen, Kindern und denen, die sonst keine Beachtung fanden. Folgen wir ihm nach, gehen wir über Grenzen hinaus, um denen nahe zu sein, die auf unsere Hilfe angewiesen sind. Setzen wir konkrete Zeichen der Solidarität, zusammen mit Christen verschiedener Herkunft und Zugehörigkeit, und auch mit Menschen, die unseren Glauben nicht teilen.

Armut kann materieller oder spiritueller Natur sein, unsere Solidarität hat immer mit einem wechselseitigen Miteinanderteilen zu tun: Indem wir helfen, werden wir oft selbst zu Beschenkten.

Vorschlag für alle : Könnte man sich nicht für ein Jahr eine Situation in der eigenen Umgebung vornehmen, um Menschen Zeit und Freundschaft zu schenken und dadurch konkrete Solidarität zu zeigen: mit den von der Gesellschaft Ausgeschlossenen, Armen, Kranken, Menschen mit Behinderungen, alleingelassenen Kindern, Zuwanderern oder Arbeitslosen...

Vorschlag für die in der Seelsorge vor Ort Verantwortlichen: Junge Menschen auf Situationen hinweisen, wo andere auf Solidarität angewiesen sind und wo es möglich ist zu helfen.


Dritter Vorschlag - Regelmäßig mit anderen gemeinsam beten und sich zum Gespräch treffen


Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind,
da bin ich mitten unter ihnen. (Matthäus 18,20)

Manche jungen Menschen haben Schweres durchgemacht, leiden unter Verlassenheit und Einsamkeit oder sind von der Ungerechtigkeit auf der Welt so überwältigt, dass ihnen der Glaube an Gott unmöglich scheint. Der Glaube ist immer ein Wagnis, das Wagnis des Vertrauens.

Mit wem kann ich mich auf den Weg machen und über meinen Glauben nachdenken?

Vorschlag für alle: Um mit seinen Fragen nicht alleine zu bleiben, sich jede Woche oder einmal im Monat mit anderen austauschen. Dabei gemeinsam aus dem Evangelium oder einen anderen Text lesen… zu einem Gebet mit Gesängen, einer Schriftlesung und einer Zeit der Stille zusammenkommen.

Vorschlag für die in der Seelsorge vor Ort Verantwortlichen: Solche kleinen Gesprächs- und Gebetsgruppen ermutigen, sie unterstützen und ihnen helfen, offen zu bleiben und auf andere zuzugehen.


Vierter Vorschlag - Die Gemeinschaft all derer, die Christus lieben, noch sichtbarer werden lassen


Ihr seid der Leib Christi (1 Korinther 12,27)

In unserem Dorf, unserer Stadt und unserer Region leben Menschen, die Christus ebenfalls lieben, aber auf eine andere Weise als wir. Als Christen haben wir den Namen Christi erhalten. Die Taufe, die uns mit Christus verbindet, verleiht uns unsere Identität als Christen. Versuchen wir, diese gemeinsame Identität noch mehr sichtbar werden zu lassen und bestehen wir nicht so sehr auf unserer konfessionellen Identität.

Auch wenn Verschiedenheiten unüberwindlich scheinen, ist das kein Grund, sich voneinander zu entfernen. Christus hat in seinem Leben Aufspaltung überwunden und am Kreuz die Arme ausgebreitet, um alle, die voneinander getrennt sind, zu umfassen. Wenn die Christen Christus nachfolgen wollen, um das Licht Gottes in der Welt leuchten zu lassen, können sie nicht noch länger getrennt nebeneinanderher leben. Der Heilige Geist vereint uns.

Vorschlag für alle: Gehen wir auf Menschen zu, die anders sind, auf eine andere Gruppe, eine andere Gemeinde, auf Menschen einer anderen geistlichen Bewegung, einer anderen Konfession oder auf eine christliche Gemeinde von Zuwanderern... Besuchen wir sie, seien wir bei ihnen zu Gast und laden wir sie ein. Wenden wir uns in einem ganz einfachen Gebet gemeinsam Christus zu und ziehen wir „unter ein Dach“, ohne zu warten, bis in allem eine Einigung erreicht ist. Nehmen wir auf diese Weise die volle Gemeinschaft schon heute vorweg.

Vorschlag für die in der Seelsorge vor Ort Verantwortlichen: In der Seelsorge alles mit den Christen der anderen Konfessionen gemeinsam tun, was gemeinsam getan werden kann, und nichts ohne Rücksicht auf die anderen unternehmen.

Dieses Heft enthält die „Vier Vorschläge 2014“ und den Text „Jungen Asiaten zuhören“ :

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