Rom, Januar 2013

Nach dem Europäischen Treffen

Nach der letzten Etappe des Pilgerwegs des Vertrauens in der italienischen Hauptstadt ist es Zeit, ein paar Eindrücke auszutauschen. Natürlich entzieht sich das Wesentliche unseren Augen, weil es im Inneren geschieht: die Samen des Glaubens und der Hoffnung, die ausgesät wurden und vielleicht auf ganz verschiedene Weise wachsen werden. Versuchen wir trotzdem, ein paar Worte oder Ereignisse festzuhalten, die unsere Aufmerksamkeit verdienen.

Papst Benedikt erinnert an das ökumenische Treffen

Das gemeinsame Abendgebet am 29. Dezember 2012 auf der Petersplatz, zu dem 45.000 Jugendliche – katholische, orthodoxe und evangelische Christen – mit dem Papst zusammengekommen waren, wird wahrscheinlich der Höhepunkt des 35. Europäischen Treffens bleiben. Während der Gebetswoche für die Einheit der Christen kam Papst Benedikt noch einmal auf diesen gemeinsamen Moment zurück:

Das Abendgebet, das ich vor ungefähr einem Monat auf diesem Platz zusammen mit Tausenden von Jugendlichen aus ganz Europa und mit der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé feiern durfte, war ein Augenblick der Gnade, bei dem wir erfahren haben, wie schön es ist, eins zu sein in Christus. Ich ermutige alle, gemeinsam zu beten, damit wir verwirklichen können, »was der Herr von uns erwartet«, wie das diesjährige Thema der Woche lautet; ein Thema, das von einigen christlichen Gemeinschaften Indiens vorgeschlagen wurde, die dazu einladen, sich entschlossen für die sichtbare Einheit unter allen Christen einzusetzen und als Brüder und Schwestern in Christus jede Art von ungerechter Diskriminierung zu überwinden.

Ein junger Inder, Kiran, der am Treffen teilgenommen hatte, schreibt:

Es war mir eine Freude, beim Gebet am 29. Dezember auf dem Petersplatz mit Papst Benedikt und Tausenden junger Menschen aus der ganzen Welt dabei zu sein. Mitzuerleben, wie alle diese Tausende von Menschen gemeinsam singen, war die Freude des Himmels auf Erden. Und die Zeit der Stille war ergreifend!

Nachtreffen in den Kirchengemeinden

Nach dem Treffen besuchten die Brüder und Jugendlichen des Vorbereitungsteams noch einmal alle Kirchengemeinden von Rom, die während des Treffens Jugendliche aufgenommen hatten. Dabei zeigte sich große Dankbarkeit bei denen, die ihre Türen aufgemacht hatten. Einige Eltern erzählten davon, dass ihrer Kinder anfangs gar nicht begeistert waren von der Idee, unbekannte Jugendliche zu Hause zu beherbergen. Doch diese Gefühle verschwanden schnell, nachdem man sich kennengelernt hatte!


Frère Alois dankt den Römern

Zum Zeichen des Dankes schrieb Frère Alois einen Brief an alle, die bei der Vorbereitung des 35. Europäischen Treffens mitgeholfen haben. Hier einige Auszüge:

Die Tatsache, dass Tausende von Menschen ihre Türen für junge Menschen aufgemacht haben, die sie nicht kannten, und dies zu einer Zeit, in der wir vor Fremden oft Angst haben, lässt für Christen die Gemeinschaft der Kirche noch stärker hervortreten und vertieft für alle Menschen das Verständnis zwischen den Völkern. Durch Gastfreundschaft kann jeder Frieden in die Gesellschaft tragen.
 
Viele Jugendliche haben uns bei der Abfahrt gesagt, wie dankbar sie für die Tage in Rom sind. Selbst diejenigen, die in Sammelquartieren übernachten mussten, fanden die Freude, mit anderen zusammen zu sein und sich angesichts der einfachen Bedingungen dieses Pilgerwegs gegenseitig weiterzuhelfen.

Junge Menschen aus ganz Europa haben zueinander gefunden

Eine weitere gute Nachricht sind die Kontakte, die zwischen Jugendlichen aus den verschiedenen europäischen Ländern entstanden sind und die dank der modernen Kommunikationsmittel vielleicht weitergehen werden. Aber auch die Post bringt schöne Zeichen der Freundschaft, wie diese Postkarte zeigt, die eine Kirchengemeinde in Rom erhalten hat:

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Weitere Echos junger Teilnehmer

In vielen der Botschaften, die wir nach dem Treffen erhielten, heißt es, dass die Gemeinschaft mit Gott und mit den anderen die beste Frucht der Tage in Rom war. So beschrieb ein junger Belgier auf der Heimfahrt im Bus „einen Moment des Vertrauens, der Stille, der Begegnung, der Gemeinschaft mit Gott, der uns alle in seiner Liebe vereint. Es ist gut und schön, so viele junge Gesichter zu sehen, die nicht die Zukunft der Kirche sind, sondern ihre Gegenwart...“

Basia aus Polen hat an mehreren Europäischen Treffen teilgenommen, aber dieses kam ihr von Anfang an anders vor:

„Für viele ist Rom eine Stadt mit historischen Baudenkmälern und wunderschönen Basiliken. Aber für mich wurde Rom in den sechs Tagen des Treffens zu einer Quelle des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Seinen Glauben mit 40.000 junge Menschen zu teilen; die Hoffnung darauf, dass Ökumene und Versöhnung möglich sind; und die Liebe Gottes, die mich und meinen Freund immer wieder überrascht.

Thomas aus Frankreich musste auf dem Messegelände übernachten:

Zu sehr schönen Begegnungen ist es auch in dieser sehr untypischen Kirchengemeinde gekommen. Das Fest der Nationen war ein voller Erfolg. Trotz der Schwierigkeiten, an einem solchen Ort Kirche zu sein, ist Gemeinschaft entstanden. Vor der Abreise haben mehrere Gruppen von sich aus den Wunsch geäußert, noch einmal ein kurzes Gebet zu halten. So haben die Belgier, die Franzosen und ein paar Polen begonnen, gemeinsam ein Gebet zu organisieren. Nach und nach kamen immer mehr andere Jugendliche dazu. Selbst unter schlechten Bedingungen, ich würde „bei größter Einfachheit“ sagen, wird die Gnade überreich geschenkt.

Robert aus Tansania hat auch am Treffen teilgenommen. Es war bei einer Familie untergebracht, die ihm großes Vertrauen entgegenbrachte, was ihn immer noch beeindruckt

Es war beeindruckend, die vielen Glaubenden aus den verschiedenen Konfessionen und Sprachen in der Einheit des Wortes Gottes versammelt zu sehen. Viele waren von weit her gekommen, aber alle blieben, aßen und beteten gemeinsam. Darin sieht man die Macht des Glaubens an Christus, der Weg, Wahrheit und Leben ist. In diesem Zusammenhang denke ich an die Worte von Frère Alois: „Was uns verbindet, ist stärker als das, was uns trennt.“

Marta aus Niederschlesien in Polen betont ihrerseits die Erfahrung von „Kirche als Gemeinschaft“, die sie beim Treffen gemacht hat.

„Es war toll, Menschen voll Frieden, Einfachheit und Demut zu begegnen. Man konnte wirklich erleben, wie der Heilige Geist Einheit möglich macht. Gott war frei, große und kleine Wunder zu tun; und er kam in der Stille, in Gesang und Gebet, und erfüllte jeden Einzelnen durch die Schönheit der romanischen Kirchen, durch die gegenseitige Offenheit und Hilfe – von der ich als Rollstuhlfahrerin viel erfahren habe – aber auch durch unsere Geduld. Jetzt weiß ich, dass der Frieden in meinem eigenen Herzen beginnt und dass er ein reines Geschenk ist, das nicht von meinen Anstrengungen abhängt.“

Währenddessen in Straßburg...

Eine große Gruppe von 150 jungen Straßburgern war ebenfalls in Rom. Die Ankündigung des nächsten Treffens im Elsass und in Baden wurde mit Freude begrüßt. Bis jetzt sind schon 50 Schlafplätze bei Familien für die jungen Teilnehmer des nächsten Treffens angeboten worden. Das ist ein ermutigender Start!


Einige Echos in den Medien

Dies ist lediglich eine Zusammenstellung einiger interessanter Artikel und Berichte :

Auf der Suche bleiben

Frère Alois schließt seinen Dankesbrief mit den Worten:

Wir sind alle als Pilger nach Rom gekommen, unterwegs zu einer persönlicheren Gemeinschaft mit Gott und zu einer tieferen Gemeinschaft miteinander. In Rom haben die Jugendlichen Spuren der Kontinuität des Glaubens, von den Aposteln bis zum heutigen Tag, entdeckt. Und in der Verschiedenheit der Völker und christlichen Konfessionen hat sich ihre Solidarität in einer Zeit vertieft, in der uns die materiellen Schwierigkeiten eher zum Rückzug auf uns selbst drängen.
Mögen wir alle auch zu Hause weitersuchen! Wir sind mit euch, liebe Freunde in Rom, auch weiterhin in Dankbarkeit und brüderlicher Gemeinschaft verbunden.

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