Tschechien, November 2012

Ein „Abend des Vertrauens“ in Prag

Vertrauen lernen, um sich für andere einzusetzen


Vor fünf Jahren in Zlin, vor drei Jahren in Brno und letztes Jahr in Olomouc haben einige Jugendliche ein Treffen unter dem Stichwort „Dny důvěry - Tage des Vertrauens“ vorbereitet. Zu diesen Wochenendtreffen kamen Jugendliche im Alter zwischen 17 und 35 Jahren aus ganz Tschechien. Alle Teilnehmer wurden in verschiedenen Kirchengemeinden von Familien aufgenommen. In diesem Jahr äußerten einige Jugendliche den Wunsch, einen solchen „kleinen Pilgerweg des Vertrauens“ in ihrer eigenen Stadt fortzusetzen. So fanden im Oktober und November in mehreren großen Städten des Landes solche „Večery důvěry - Abende des Vertrauens“ statt.
Diese Treffen waren noch einfacher: Der Samstagnachmittag und -abend begann mit einer Bibeleinführung, die mit einem Austausch in kleinen Gruppen weiterging. Dann folgte ein gemeinsames Abendessen, für das jeder etwas mitbrachte und das mit einem gemeinsamen Gebet mit Gesängen aus Taizé endete, zu dem noch mehrere Hunderte anderer Leute dazukamen ...


Vlaďka aus Prag:

Als ich ganz allein in Paris zu mir selbst fand...

Ich hatte vor einigen Jahren von Taizé gehört. Meine Schwestern fuhren ein paar Mal zu den Europäischen Treffen, aber das hatte mich nie interessiert… bis zu meinem Erasmus-Aufenthalt in Paris. Ich fühlte mich ein wenig verloren in Paris - ich kannte niemanden in dieser Stadt und sprach anfangs kaum französisch. Eines Tages kam ich an der Kirche Saint-Germain-des-Prés vorbei und stieß dort auf eine sehr nette Gruppe Jugendlicher. Beim Singen der Gesänge aus Taizé vergaß ich meine Not. Dort musste ich nicht einmal französisch sprechen, um mit ihnen singen zu können.

Einen Monat später fuhr ich während der Allerheiligenferien mit der Gruppe von Saint-Germain-des-Prés nach Taizé. Dort war ich wieder sehr beeindruckt von den Gesängen und der Stille, und von der Gemeinschaft rund um die Communauté. Es hatte den Eindruck, dass die Suche nach Wahrheit und einem Sinn im Leben den Spaß und neue Freunde nicht ausschloss.

So fuhr ich mit einem meiner Freunde ein paar Monate später wieder nach Taizé. Wir verpassten den Bus aus Prag und mussten trampen - mehr als 1000 km! Wir verbrachten die halbe Woche in Stille - eine neue und sehr lohnende Erfahrung.

Noch ein anderes Mal kam ich zu Ostern mit einem Kleinbus voll von Bekannten. Ich hatte das Bedürfnis, anderen Taizé zu zeigen, und hoffte, sie würden die gleiche beeindruckende und beruhigende Atmosphäre finden.

Sich aus dem Vertrauen engagieren

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Sechs Monate später nahm ich am „Tag des Vertrauens“ in Olomouc teil (siehe Foto oben) und weitere sechs Monate später besuchte einer der Brüder Prag und wir sprachen über die Möglichkeit, einmal einen „Večer důvěry – einen Abend des Vertrauens“ in Prag vorzubereiten. Damals kam es mir schon ganz normal vor, meine Hilfe anzubieten. Das war mehr eine Entscheidung des Herzens als des Kopfes. Einerseits hatte ich ein wenig Angst, etwas auf die Beine zu stellen – wie viele junge Leute heute habe ich Angst, mich festzulegen. Hab ich überhaupt Zeit zu so etwas? Und die nötige Kraft? Was passiert, wenn plötzlich etwas anderes, interessantes zur gleichen Zeit auftaucht? Aber ich denke, wenn man eine Entscheidung trifft und der Sache Priorität einräumt, dann ist es auch nicht mehr so schwer, Zeit zu finden. Und wenn es um etwas gutes und sinnvolles geht, funktioniert es in der Regel auch, man muss nur ... Vertrauen haben.

Und in der Tat: es funktionierte! Selbst mit dem Staatsexamen zwei Tage zuvor und der Tatsache, dass viele andere Mitglieder unserer Gruppe zu dieser Zeit auch sehr beschäftigt waren – Schule, Arbeit etc. Das schöne Abendgebet mit den vielen Lichtern, zu dem 350 Leute kamen, war eine große Genugtuung und die Bestätigung dafür, dass der Aufwand Sinn machte. Die Bibeleinführung am Nachmittag und die Treffen in kleinen Gruppen waren ebenfalls sehr bereichernd.

Wie habt ihr das alles vorbereitet?

Wir haben uns in kleinen Teams die verschiedenen Aufgaben aufgeteilt: Musik, Dekoration, Werbung, Webseite, Essen etc. Ich war für die Einladung verantwortlich, einschließlich des Kontakts mit den Medien. Also bat ich die Leute, schöne Plakaten in ihren Kirchengemeinden und Schulen aufzuhängen... Darüber hinaus habe ich mit verschiedenen christlichen und anderen Medien Kontakt aufgenommen, Einladungen versandt und vor und nach der Veranstaltung Pressemitteilungen verschickt. Ich hatte sogar selbst ein paar Gespräche mit Journalisten und habe vor allem ein längeres Interview mit dem Bruder aus Taizé arrangiert, als dieser nach Prag kam.

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Es war schön zu sehen, wie am Ende alle Teams ihre Arbeit zusammentaten und jeder etwas dazu beitrug, damit das „Abendgebet des Vertrauens“ schön wurde. Wir waren alle glücklich, dass die Zusammenarbeit so gut klappte.

Printed from: http://www.taize.fr/de_article15216.html - 18 September 2019
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