Was kümmert uns das Schicksal unseres Planeten, wenn wir an das ewige Leben glauben?

Im Evangelium entdecken wir die Hoffnung auf ein ewiges Leben. Die Bibel sagt uns damit, dass es etwas jenseits unseres irdischen Lebens gibt, und dass die Liebe Gottes nicht auf unser Dasein hier auf der Erde begrenzt ist. Der Verfasser des Hebräerbriefs schreibt, dass wir „eine Heimat suchen“ und „nach einer besseren Heimat (streben), nämlich der himmlischen“ und nicht einer auf Erden (Hebräer 11,14.16). So lädt uns Gott durch das Leben Jesu und vor allem durch seine Auferstehung zu einem Leben jenseits dieses Lebens ein.

Aus diesem Grund könnte uns das Schicksal des Planeten nebensächlich erscheinen: Ist es nicht sinnlos, um jeden Preis eine Umwelt zu schützen, die heute existiert und morgen vergeht? Man könnte sogar fragen, ob die großen Anstrengungen in der Sorge um den Planeten nicht auf eine fehlende Hoffnung auf das ewige Leben hinweisen... Aber umgekehrt könnte ein sorgloser Umgang mit dieser uns von Gott anvertrauten Erde fehlenden Respekt für Gottes Schöpfung bedeuten. Manche Menschen, die keinen Sinn in ihrem Leben sehen, lassen sich gehen und legen eine selbstzerstörerische Haltung an den Tag. Das Gleiche könnte man über eine orientierungslose Menschheit sagen, die die Umwelt nicht achtet.

Dagegen ist das Vertrauen auf das ewige Leben vielmehr ein Ruf, die Schöpfung Gottes jetzt zu bewahren. Wenn Gott uns für würdig befindet, mit ihm für immer vereint zu sein, dann bedeutet dies zweifellos, dass unser Leben hier auf Erden bereits einen unschätzbaren Wert hat und mit der ganzen Schöpfung in ständiger Erneuerung „bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt“ (Römer 8,22). Eine nicht abgeschlossene Schöpfung und ewiges Heil sind ein und dieselbe Regung Gottes, der nie aufhört, seine Liebe zur ganzen Menschheit kundzutun.

Der Glaube an das ewige Leben kann daher nicht im Widerspruch zur Sorge um die Umwelt stehen. Unsere Erwartung eines Lebens nach dem Tod, das Gott uns verheißen hat, schließt in Wirklichkeit den Respekt für das Hier-und-Heute, das er uns anvertraut hat, ein. Er ist es, der das ganze Universum erfüllt: „Der Herr, euer Gott, ist Gott droben im Himmel und hier unten auf der Erde.“ (Josua 2,11). Unser Leben in dieser Welt hat einen Sinn und die Hoffnung auf das ewige Leben vertieft diesen Sinn sogar. Das Evangelium ruft uns auf, unseren Nächsten zu lieben, aus dem Geist des Staunens zu leben. Dies sind Gründe genug, sich der geschaffenen Welt anzunehmen. Mein Verhalten hat Konsequenzen für meine Mitmenschen und auch für die zukünftigen Generationen.

Gottes Schöpfung will leben, jetzt und für immer. So wie Albert Schweitzer einmal sagte: „Ich bin Leben, das leben will, umgeben von Leben, das leben will“ (Zivilisation und Ethik). Ewiges Leben ist eine Verheißung, die uns wach hält, sie ist eine Verantwortung für die Gegenwart.

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