Italien, Mantua 2012

Besuch in einer leidgeprüften Region

Zwei junge Freiwillige aus Taizé waren im Mai 2012 in Mantua, wenige Wochen bevor die Region von mehreren Erdbeben getroffen wurde. Frederik aus Holland und Davide aus Italien besuchten die Bewohner dieser Gegend im September erneut. Sie waren zu einem landesweiten Treffen mit zwei Brüdern und Jugendlichen aus verschiedenen Regionen Italiens nach Mantua gekommen, um gleichzeitig einige Tage mit den Menschen zu verbringen, die durch das Erdbeben viel verloren hatten.
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Frederik aus den Niederlanden

Die Tage in Mantua haben mir noch einmal die Bedeutung dieses Treffens vor Augen geführt: Den Menschen die Gelegenheit geben, sich zu begegnen und einander Gastfreundschaft zu gewähren. Die Menschen haben ein tiefes Bedürfnis danach, zusammen zu sein und sich kennenzulernen, nur fehlt ihnen oft die Gelegenheit dazu.

Nach dem Treffen besuchten wir die vom Erdbeben betroffenen Regionen. Ich fuhr nach Mirandola, wo die gesamte Innenstadt noch voller Baugerüste steht und weite Bereiche abgesperrt sind. Das Stadtzentrum ist menschenleer, wie in einer Geisterstadt. Und das ist die Stadt auch: Niemand lebt mehr hier, die Menschen sind bei Freunden oder Verwandten untergekommen oder leben immer noch in großen Zeltlagern, in der Hoffnung, für den Winter Heizmaterial zu bekommen.

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Fast alle Kirchen in der Region sind zerstört, viele von ihnen haben kein Dach mehr. Die Einrichtung wurde entfernt und in Zelten oder Sporthallen zwischengelagert. Es wäre gefährlich, die Kirchen zu betreten und nun finden dort Vögel und andere Tiere Unterschlupf.

Aber gleichzeitig sehe ich, dass die Kirchengemeinden sehr aktiv sind. Wir besuchten eine Gemeinde, die sich in einer Turnhalle trifft. Am Sonntagabend kam dort eine erstaunliche Menge von Menschen zusammen, um die Vesper zu beten und anschließend gemeinsam zu essen. Dies ist auch eine Folge des Erdbebens: Menschen sind auf einmal aufeinander angewiesen und suchen einen Ort, um zusammen zu sein. Die Kirchen geben wegen so einer kleinen Katastrophe nicht auf. Sie helfen auch weiterhin den anderen und machen weiter. Überall stößt man auf Zeichen gegenseitiger Anteilnahme.


Davide aus Italien

Danach ging es nach Moglia, in Begleitung von Raffaele, einem jungen Mann, der das Treffen in Mantua mit vorbereitet hat. Er ist in seiner Gemeinde sehr engagiert. Moglia ist die am stärksten betroffene Stadt der Provinz: Die Altstadt ist noch immer abgesperrt, die Kirche und das Rathaus sind Ruinen, es gibt viele zerstörte Häuser, abgesperrte Straßen und geschlossene Geschäfte. Alles findet nun in Containern auf dem Friedhofsvorplatz statt. Man könnte sagen, dass sich nun dort das Leben abspielt.

Wir gehen mit Raffaele durch die Straßen. Er erzählt uns vom Erdbeben und wie er den ganzen Sommer wie viele andere in einem Zelt gelebt hat. Erst vor zwei Wochen hat der Stadtrat beschlossen, die Zeltstadt vor dem Einbruch des Winters zu räumen.
Von außen sehen die Häuser noch intakt aus, aber in Wirklichkeit sind sie innen völlig zerstört und könnten nur mit immensen Umbauten wieder bewohnbar gemacht werden.


Am Montagabend treffen wir den Pfarrer von Moglia und eine wunderbare Gruppe Jugendlicher. Momentan finden die Gottesdienste in der Turnhalle von Moglia statt, die zum Glück keinen Schaden genommen hat. Der Altar ist ein Handballtor! Ich war sehr gerne bei diesen jungen Leuten und das gemeinsame Gebet war beeindruckend schön.

In Finale Emilia sind auch viele Gebäude zerstört, vor allem das Schloss und der Glockenturm wurden schwer beschädigt. Es gibt ganze Straßenzüge, die noch mit Steinen übersät sind.

Aber es gibt auch viele positive Zeichen: Die Grundschule wurde wieder aufgebaut und eine große Notkirche errichtet. Auf dem Spielplatz des Jugendclubs spielen Jugendliche Fußball und es ist schön zu sehen, dass sie glücklich sind in ihrer Stadt.

Am Dienstagnachmittag fahren wir weiter nach Poggio Rusco. Don Tonino freut sich sehr über unseren Besuch, denn - wie er sagt - wäre er seit dem Erdbeben noch nicht in der Lage gewesen, ein einziges Gebet für alle Teilgemeinden gemeinsam zu organisieren. Die sechs Kirchen sind beschädigt und die Gottesdienste finden im Freien statt, weil die großen Zelte für die Gemeinde noch immer nicht fertig sind. Am Abend haben wir ein gemeinsames Gebet. Don Tonino ist glücklich über das Gebet und die Gesänge aus Taizé.

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Printed from: http://www.taize.fr/de_article14710.html - 17 September 2019
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