Ruanda 2011

Eine neue Etappe auf dem Weg zum Treffen in Kigali im Herbst 2012

Zwei Brüder der Communauté und zwei junge Kenianer verbrachten vergangenen November zwei Wochen in Ruanda als eine weitere Etappe auf dem Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde, das vom 14. bis 18. November 2012 in Kigali stattfinden wird.
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Kreuzweg

Bei diesem Besuch ging es zunächst darum, Vertreter von Kirchengemeinden und Jugendseelsorger zu besuchen, um sie mit den Vorbereitungen des Treffens im nächsten Jahr vertraut zu machen und darüber hinaus mit Jugendvertretern Termine abzusprechen. Aber es war auch notwendig, sie um ihre Mithilfe bei der Vorbereitung dieses großen internationalen und ökumenischen Treffens zu bitten, und denjenigen Mut zu machen, die angesichts einer solchen Herausforderungen manchmal Zweifel haben. Jedes Mal taten sich neue Facetten des Lebens der Gemeinden auf.

„Nach der Konfirmation verschwinden die jungen Menschen aus der Kirche: die jungen Arbeiten in den Wolframminen und geben das Geld, das sie verdienen, gleich wieder aus. Der Vorschlag eines solchen Treffens könnte dazu beitragen, sie aktiv werden zu lassen.“ Pfarrer Emmanuel, der erst vor sechs Monaten ordiniert wurde, spricht die Schwierigkeiten an, die Jugendlichen von Shyorongi, einem Vorort von Kigali, anzusprechen.

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Gedenkstätte der Nyamatta Kirche

In Nyamatta, eine halbe Stunde Fahrt südlich von Kigali, sollen auch Jugendliche während des Treffens aufgenommen werden. In diesem Bezirk fielen nach offiziellen Angaben 33.000 Menschen dem Völkermord zum Opfer. Die Pfarrkirche wurde zu einer Gedenkstätte umgestaltet. Wie in vielen anderen Orten bot die Kirche zu Beginn der Unruhen Menschen Unterschlupf. Anfangs war es noch möglich gewesen, auf diese Weise Menschen zu retten. Aber später machten die Killerkommandos keinen Halt mehr an den Kirchentüren. Sie sprengten Eisentore und schossen mit Maschinengewehren in die Menge. Der Tabernakel zerbrach; das Dach und die Wände der Kirche sind mit Einschusslöchern übersät. Auf den Kirchenbänken liegen noch die verschmierten Kleidungsstücke der exhumierten Opfer. Zwei unterirdische Grabstätten können besichtigt werden.

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Delegation aus der Demokratischen Republik Kongo

Nach dem Morgengebet mit den Angestellten, begrüßt Rev. Elisee Musemakweli, Präsident der Evangelischen Kirche Ruandas, uns herzlich und sagt seine Teilnahme zusammen mit den Pfarrern des Landes am Projekt zu: „Es wäre gut, wenn die Jugendseelsorger und andere Kirchenvertreter teilnehmen könnten. Die in der Kirche Verantwortlichen müssen verstehen, dass sich junge Menschen für den Glauben interessieren, und dass sie die Rolle der Kirchen ernst nehmen“.

Im zweiten Teil unserer Besuchsreise nahmen wir am Katholischen Jugendforum Ruandas teil, dass dieses Jahr Mitte November in Kabgayi stattfand. Es dauerte vier Tage und bestand aus Gottesdiensten, Gesprächen und Begegnungen zwischen 2000 jungen Menschen, ihren Bischöfen und über 60 Pfarrern. Vertreter aus dem Kongo, aus Burundi, Tansania und - zum ersten Mal dieses Jahr - aus Kenia waren zusammengekommen. Die Brüder der Communauté waren eingeladen, den Kreuzweg vorzubereiten, der drei Stunden lang quer durch die Stadt zog und von der Kraft des Glaubens der jungen Menschen Zeugnis ablegte.

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Tanz von Ruanda

Ruanda ist immer noch zutiefst gezeichnet von den Folgen des Völkermords von 1994. Fast 10 % der Bevölkerung kamen dabei ums Leben. Viele Familien haben mehrere von ihren Mitgliedern verloren. Die politischen Verantwortlichen des Landes haben eine kühne Vision und große Pläne. Gerne nehmen sie die Besucher zu Zeugen für die seit 1994 bereits erbrachte und die noch vor ihnen liegende Arbeit des Wiederaufbaus. Wenn auch die Tatsache, von der internationalen Gemeinschaft verlassen worden zu sein, eine offene Wunde bleibt, so besteht doch auch ein großes Verlangen nach Anerkennung.

Obwohl es bei weitem kein leichter Schritt ist, so ist die Einladung zu einem Pilgerweg des Vertrauens doch etwas, dass die Menschen tief berührt. Neben den organisatorischen Herausforderungen, ein Treffen von mehreren Tausend Menschen vorzubereiten, geht es darum, Menschen wirklich teilnehmen zu lassen und sie dazu zu bewegen, aufeinander zuzugehen. Indem wir bei uns selbst beginnen, hat unsere Einladung die Chance, verstanden und ernst genommen zu werden. Wir möchten nicht nur die dramatischen Ereignisse in Erinnerung rufen, und auch nicht nur für den bereits zurückgelegten Weg dankbar sein, sondern wir hoffen auch, die Quellen dessen zu entdecken, was den Menschen Mut machte und die Kühnheit verliehen, sich auf den Weg des Friedens, der Versöhnung und der Vergebung zu machen.

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Kreuzweg während des Jugendforums

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