Europäisches Jugendtreffen in Berlin

30.000 junge Erwachsene auf dem Weg zu einer neuen Solidarität

Vom 28. Dezember 2011 bis 1. Januar 2012 waren in Berlin 30.000 junge Erwachsene zur 34. Etappe des „Pilgerweg des Vertrauens“ zusammenkommen, welche die Communauté von Taizé vorbereitet. Die jungen Menschen aus ganz Europa und von den anderen Kontinenten wurden von den Kirchen und Einwohnern Berlins aufgenommen, um mit neuem Elan nach neuen Wegen der Solidarität zu suchen. Gemeinsame Gebete und Nachdenken über verschiedene Themen des geistlichen, sozialen, künstlerischen, politischen und wirtschaftlichen Lebens waren die wesentlichen Elemente dieses Treffens, das erstmals in der deutschen Hauptstadt stattfand.

Fünf Tage lang war die deutsche Hauptstadt Treffpunkt der Jugend und Symbol eines vereinten Europas. Das Berlin-Treffen fand zu einem Zeitpunkt statt, in dem Europa nach neuem Schwung sucht und vielerorts die Frage nach den Fundamenten und den Grenzen der Europäischen Solidarität gestellt wird.

Im Rahmen eines humanitären Hilfsprojekts für Nordkorea, das die Communauté von Taizé ins Leben gerufen hat, brachten Jugendlichen medizinische Geräte und Medikamente nach Berlin mit, welche nach dem Treffen in Krankenhäuser und -stationen in ländlichen Gebieten Nordkoreas gesandt wurden.

Bei der Ankunft erhielten die Teilnehmer einen Brief von Frère Alois, Prior der Communauté von Taizé, mit dem Titel „Auf dem Weg zu einer neuen Solidarität“. Frère Alois schreibt in diesem Brief, der in über fünfzig Sprachen übersetzt wurde: „Zwischenmenschliche Solidarität ist von jeher notwendig, sie braucht aber ständige Erneuerung, eine Verjüngung durch neue Ausdrucksweisen“. Angesichts von weltwirtschaftlichen Erschütterungen und Verschiebungen des geopolitische Gleichgewichts sowie von zunehmender Ungleichheit stellt der Prior von Taizé die Frage: „Sind dies nicht Gründe, nachdrücklicher nach den Entscheidungen zu fragen, die wir uns für unser Leben fällen sollten?“ Jeden Vormittag kamen die Jugendlichen in 160 Kirchengemeinden zusammen und sprachen mit ihren Gastgebern über die einzelnen Themen dieses Briefes aus Taizé für 2012: Vertrauen zwischen den Menschen, Vertrauen auf Gott, „Christus der Gemeinschaft“, versuchen „Salz der Erde“ zu sein.

An den Nachmittagen des 29. und 30. Dezembers standen fünfzehn verschiedene Thementreffen zur Auswahl; in einem davon sprachen zwei Brüder der Communauté über das Leben und die Vision Frère Rogers, des Gründers der Communauté von Taizé (1915-2005). An anderer Stelle können die Teilnehmer vor Ort Zeugen aus der Zeit der Berliner Mauer begegnen. Im Reichstag sprachen die Jugendlichen mit Mitgliedern des Deutschen Bundestages über das Thema „Für eine gerechtere Welt: Politik und Verantwortung der Bürger“. Einen Freiwilligendienst für Flüchtlinge näher kennenlernen, das „Bode Museum“ und ein Konzert besuchen, oder über den Platz der jungen Generation in der heutigen Gesellschaft sprechen, waren weitere der angebotenen Möglichkeiten. Anhand der Worte Dietrich Bonhoeffers (1906-1945) „Vor und mit Gott leben wir ohne Gott“ ging es um die Frage, wie man den Glauben in einer Welt leben kann, in der Gott offenbar keine Rolle mehr spielt. Gleichzeitig fanden Begegnungen mit der jüdischen Gemeinde von Berlin und ein Besuch in einer großen Moschee statt.

Am Nachmittag des 31. Dezember trafen sich alle Teilnehmer nach Herkunftsländern, um zusammen mit Brüdern aus Taizé zu überlegen, wie jeder zu Hause den „Pilgerweg des Vertrauens“ fortsetzen und neue Wege der Solidarität beschreiten kann.

Während des Treffens kamen die Teilnehmer jeden Tag um 13.15 und 19.00 Uhr zum gemeinsamen Gebet auf das Berliner Messegelände, wo vier große Messehallen eigens dafür gestaltet worden waren. Frère Alois sprach jeweils während des Abendgebets einige Worte zu den Anwesenden. Die Texte sind hier abrufbar.

Frère Roger, der Gründer der Communauté von Taizé, hatte den „Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde“ vor über dreißig Jahren ins Leben gerufen, um junge Menschen zu ermutigen, dort wo sie leben Träger des Friedens, des Vertrauens und der Versöhnung zu sein. Er konnte 1986, drei Jahre vor dem Fall der Mauer, zu einem Treffen nach Ostberlin fahren, zu dem 6.000 Jugendlichen aus Ostdeutschland zusammengekommen waren. Die Genehmigung zu einem gemeinsamen Gebet, das damals gleichzeitig in der evangelischen Marienkirche und der katholischen Hedwigskathedrale stattfand, war damals von den kommunistischen Behörden Ostdeutschlands unter der Bedingung erteilt worden, dass keine Teilnehmer aus dem Westen dazukommen. Diese Zeiten sind mittlerweile vorbei, und Berlin ist zu einem Symbol für die deutsche und europäische Einigung geworden.

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