Jugendtreffen in Santiago de Chile

Ein warmer, herzlicher und einfacher Empfang

Fran aus Spanien hilft, das Treffen in Santiago vorzubereiten. Hier seine Eindrucke, wenige Wochen nach der Ankunft in Santiago:
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Gebet in Santiago am 14. August: 70 Jahre Taizé und 5 Jahre nach dem Tod von Frère Roger

Nach der europäischen Sommerhitze empfängt uns in Santiago unerwartet die winterliche Kälte der südlichen Erdhalbkugel. Die imposante Kulisse der schneebedeckten Anden umgibt die Stadt mit ihren fast 6 Millionen Einwohnern. Die Berge scheinen zum Greifen nahe, wenn sie nicht durch die Wolken verdeckt sind. Parallel zu den Anden, auf der anderen Seite der Stadt die Bergkette, die Santiago von der Küste trennt; dazwischen die Ebene des Mapocho-Flusses, in der Santiago liegt. Sehr schnell spürt man die fürsorgliche Gastfreundschaft der Chilenen. Ein warmer, herzlicher und einfacher Empfang, der uns – vor allem im Unterschied zur Kälte in den Straßen - berührt.

Die Brüder aus Taizé waren kurze Zeit vor dem Erdbeben hier angekommen, das Chile im Februar erschütterte. Noch immer erzählt jeder davon, wie er es erlebt hat. Die Chilenen tragen diesen schwierigen Moment, diesen tragischen Tag für ihr Land, gemeinsam. Seit mehreren Monaten lernen wir jetzt den Alltag des kirchlichen Lebens in Santiago und anderen Städten kennen. Es war eine große Überraschung festzustellen, dass die Lieder aus Taizé überall bekannt sind. Die Leute kennen auch die Communauté und haben von Frère Roger gehört.

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Die Vorbereitungen auf das Treffen, das Ende des Jahres in Santiago stattfinden wird, nehmen Form an. Der „Pilgerweg des Vertrauens für eine brüderliche Welt“ ist eine Gelegenheit für jeden Christen, das Geheimnis Gottes von neuem wahrzunehmen, indem man junge Pilger aufnimmt, und vor allem durch die gemeinsamen Gebete. Seit unserer Ankunft, zwei Schwestern von Saint André und eine Gruppe von freiwilligen Helfern aus Spanien, Frankreich, Italien, Argentinien, Honduras, Mexiko, Bolivien und – natürlich – aus Chile, wurde der Rhythmus der Vorbereitung intensiviert.

Das Vorbereitungszentrum befindet sich im Gemeindezentrum „Divina Providenzia“, in der Innenstadt. Es ist ein schönes, altes Gebäude, das vom Erdbeben stark betroffen war. Der Kirchturm ist dabei eingestürzt. Für viele Leute war das ein Anzeichen der Schwere des Bebens. Die Chilenen sind an den „Kampf“ gegen die Naturgewalten gewöhnt und sind schon dabei, die Kirche zu reparieren. Die Anstrengungen erwachsen aus der Hoffnung und zeugen von dem ihnen eigenen Enthusiasmus.

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Nach und nach entdecken wir die kirchliche Jugendarbeit der „Vicaria de la Esperanza Joven“; wir sind überrascht, welche Anstrengungen unternommen werden, um Jugendliche auszubilden. Die Chilenen haben ein großartiges Organisationstalent. Auch der Ökumenische Arbeitskreis ist mit Begeisterung dabei und unterstützt unseren „Pilgerweg des Vertrauens für eine brüderliche Welt“.

Seit wir mit den Besuchen und Gebeten in den Gemeinden begonnen haben, wollen immer mehr Leute Jugendliche bei sich aufnehmen, vor allem aus den Nachbarländern wie Bolivien. Die Beziehungen zu den Nachbarländern waren nicht immer friedlich und der Wunsch, anderen zu begegnen und sich zu versöhnen, ist groß. Viele junge Chilenen waren 2007 beim Treffen in Cochabamba (Bolivien) und wurden in den Familien dort freudig aufgenommen!

Letzte Woche fand auch ein weiteres „Gebet für Chile“ statt, das die Brüder seit März jeden Monat in einem anderen Stadtteil organisieren. Die Kälte war kein Hindernis und die Kirche war mit über 500 Menschen fast voll; das Gebet ums Kreuz dauerte sehr lange.

Letzten Sonntag hatten wir dann ein gemeinsames Gebet mit Gesängen aus Taizé in einer Gemeinde, wo sich seit 25 Jahren einmal im Monat Jugendliche und Erwachsene treffen.

Es ist großartig, in einem Land zu sein, wo man mit offenen Armen aufgenommen wird und Menschen willkommen sind, die von weit weg kommen. Das Leben im Glauben hat die Geschichte der Chilenen geprägt. Die Freude, Glaubende zu sein, führt sie zu Engagement in der Gesellschaft. Nun finden sie Freude im tiefen persönlichen Gebet und in der Stärkung ihrer Beziehung zu Christus. Manche bitten uns ganz offen: „Zeigt uns, wie man heute im Geist des Evangeliums leben kann.“

Printed from: http://www.taize.fr/de_article11301.html - 12 December 2018
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