Dänemark

Besuche im Mai 2010

Was weißt du von Dänemark?
Von dort kommen Butter und Speck!
Kennst du irgendwelche berühmten Dänen?
Hans Christian Andersen und Sören Kierkegaard waren Schriftsteller, die dort lebten!
Geographische Lage?
Es ist zwischen seinen beiden großen Nachbarn Schweden und Dänemark eingequetscht.
Geschichte?
Waren die nicht Wikinger?
Etwas aus den Nachrichten?
Gab es da nicht eine Auseinandersetzungen um Redefreiheit und eine Karikatur in einer Zeitung?
Und die Kirche in Dänemark?
Im Großen und Ganzen sind die Dänen nicht sehr religiös (zumindest von außen betrachtet) und der Kirchbesuch ist sehr schwach.

Fragen wie diese gingen einem Bruder der Communauté durch den Kopf, der im Mai seine Besuche in Dänemark begann: in Kopenhagen, Sealand, Funen, Nord- und Zentraljütland und beim Ökumenischen Kirchentag in Viborg.

Taizé steht in Kontakt mit vielen verschiedenen Kirchen in Dänemark: mit Lutheranern, Katholiken, Baptisten, Pfingstlern und Apostolikern. Während des Besuchs fanden Treffen und Gebete in all diesen Kirchen statt. Wie in ganz Skandinavien spielen Gesang und Musik eine wichtige Rolle, und so gab es jedes Mal einige Solisten und Instrumentalisten, um den meditativen Charakter der Gebete zu unterstützen. Die meisten Gesänge aus Taizé sind ins Dänische übersetzt, was das Gebet in der Landessprache verwurzelt. Sie sind keine exotische Melodien mehr, die von einer Pilgerfahrt in ein warmes, südliches Land hierher kamen. Sie flüstern etwas von den tiefsten Sehnsüchten eines ganz normalen Dänen. Durch die Gesänge entdecken viele Menschen in überraschender Weise Gottes Gegenwart in ihnen und ein Verlangen nach Frieden.

Die vielleicht größte Herausforderung für die Kirchen in Dänemark, gleich welcher Tradition, ist es Menschen die Gottes Stimme „hören“ zu lassen – offen zu sein und einen Ort zu schaffen, an dem man Gott begegnen kann.

An manchen Orten Manche versucht man dies mit der sogenannten „Nachtkirche“; dazu werden am Freitag- und Samstagabenden die Kirchen von 20 Uhr bis spät in die Nacht geöffnet. Man kann eine Kerze anzünden, mit jemandem sprechen und die Namen derer hinterlegen, für die gebetet werden soll.

Treffen und Gebete werden auch in Cafés oder anderen Orten angeboten, welche die Leute heute „offener“ und angenehmer finden als alte Kirchen.

Vielerorts wird versucht, auf andere Menschen zuzugehen, „dorthin, wo sie stehen“. Ein beeindruckendes Beispiel dafür ist der „Empfang“ in der Marienkirche in Kopenhagen-Vesterbro, westlich des Hauptbahnhofs: Freiwillige bieten Drogensüchtigen, Prostituierten, Obdachlosen und anderen Bedürftigen Hilfe und Unterstützung an. Manche nennen es auch das „Drogenhospiz“. Die meisten suchen hier keine „Rehabilitation“ mehr; sie werden hier in ihre Menschlichkeit respektiert und können versuchen, Frieden in ihrem stürmischen Leben zu finden, bevor sie sterben. Ein anderes, bescheideneres Beispiel sind Menschen, die sich Zeit nehmen und psychisch Kranken beistehen: ein Gespräch, ein Spaziergang, Hilfe beim Einkaufen, eine Einladung zurück ins Leben nach der Dunkelheit der Depression.

Auf diese Weise bringen sich viele Christen in lokalen Selbsthilfeprojekten ein: bei der Veranstaltung von Kunstfestivals, freiwilliger Arbeit mit Immigranten, mit Gefangenen, mit gebrochenen Menschen. Konkret helfen und zugleich Zeuge Christi sein. Manche von ihnen werden „Ildsjæl“ genannt, was so viel wie „Feuerseele“ heißt. Ohne ihren Enthusiasmus könnten viele Organisationen nicht überleben.

Ja, man kann behaupten, dass die Dänen nicht sehr religiös sind, zumindest von außen betrachtet. Doch es lohnt sich, tiefer zu schauen...

Printed from: http://www.taize.fr/de_article10946.html - 16 February 2019
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