Indonesien, Mai 2011

„Die Freude daran, gemeinsamen zu beten“

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Auf dem Weg nach Ost-Timor machte ein Bruder der Communauté einen kurzen Besuch in Indonesien, in Jakarta und Yogyakarta. Am Institut für Theologie „Sekolah Tinggi Teologi“ in Jakarta kamen über einhundert Studenten und Jugendliche zu einem Gebet zusammen, die selbst regelmäßig Gebete in anderen Kirchen der Stadt vorbereiten. Einer der Studenten kam gerade nach drei Monaten aus Taizé zurück und hatte das Gebet sehr gut vorbereitet, die Gesänge einstudiert und vor allem seine Freude daran spüren lassen, gemeinsam zu beten.

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Mai 2011: „Wir dürfen die nächste Generation nicht vergessen.“

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Seit mehreren Jahren kommen Jugendliche aus Bandung auf der indonesischen Insel Java nach Taizé. Dies ist für jeden eine intensive Zeit des Gebets und des Zusammenlebens mit Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft. Die Zeit bei diesen Treffen ist aber auch wertvoll für ihr Engagement in der Jugendarbeit zu Hause. Die Gesänge aus Taizé und die gemachten Erfahrungen begleiten sie, wenn sie in ihren Alltag mit so manchen Problemen in den Familien zurückkehren. An einem Nachmittag in Bandung sprachen wir im Haus der Ursulinenschwestern darüber.

Eine der Schwestern hatte alle eingeladen, die in den letzten Jahren in Taizé waren, gemeinsam mit ihren Familien. Selbst die Kinder kannten die Gesänge aus Taizé! Einige von ihnen sangen die Solos und begleiteten die Gesänge mit ihren Instrumenten. Es war nicht perfekt, aber alle machten begeistert mit. Sicherlich merkten die Kinder, dass sie ihre Talente auf diese Weise mit sehr einfachen Mitteln einsetzen konnten. In ein paar Jahren werden sie bei einer Jugendgruppe in einer Gemeinden dabei sein, so wie zuvor bereits ihre Eltern. „Wir dürfen die nächste Generation nicht vergessen“, sagte die Schwester, die alles organisiert und zum Gebet eingeladen hatte, obwohl sie schon über 80 Jahre alt ist. „Wenn wir mit den Kindern liebevoll umgehen, wird es weitergehen.“ Und dann: „Kommt uns bald wieder in Bandung besuchen.“ Bandung – einige Zugstunden entfernt von Jakarta – ist eine der Städte, die wir besuchten.

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Aber unser Besuch begann in der Hauptstadt des viertgrößten Landes der Welt. Einige Jugendliche von Jakarta, die in der Jugendpastoral engagiert sind, freuten sich, uns bei sich Zuhause empfangen zu können und so ihren Alltag mit uns zu teilen und uns zu zeigen, wie sie die in Taizé gemachten Erfahrungen weiterleben. Als erstes besuchten wir ein Ausbildungszentrum der evangelischen Kirche und kamen dort mit Pfarrern zu einem Treffen und einem Gebet in der Kapelle des Hauses zusammen. Ein junger Erwachsener, der kürzlich in Taizé war, arbeitet nun dort.

Eine junge Pfarrerin der GKI Surya Utama – einer reformierten Kirche in Indonesien – war als Studentin in Taizé. Sie lud uns zu einem Abendgebet in ihre Gemeinde ein. Danach trafen wir eine ökumenische Jugendgruppe, deren Mitglieder aus verschiedenen Gemeinden und Gemeinschaften stammen, in der Santa Ursula-Schule, um über den „Brief aus Chile“ nachzudenken und uns über die Vorbereitung von gemeinsamen Gebeten auszutauschen. Ein Abendgebet, offen für alle, bildete den Abschluss.

Yogyakarta war die dritte Stadt auf unserer Reise. Sie spiegelt die bunte Vielfalt der Kulturen und Traditionen dieses Landes durch die Vielfältigkeit der Studenten, die von den verschiedenen Inseln hier studieren, wider. Dies spürte man bei den zwei Gebeten, die in den christlichen Universitäten stattfanden: in der katholischen Sanata Dharma-Universität und in der Duta Wacana Universität, die gemeinsam von elf reformieren Kirchen gegründet wurde. Die beiden Abende begannen mit einer Bibeleinführung und einem Gespräch in Kleingruppen. Jugendliche und ein Pfarrer sprachen, was sie beim Ausbruch des Merapi-Vulkans taten. Für die vielen Flüchtlingen, die dem vorrückenden Lavastrom zu entkommen suchten, richteten sie eine provisorische Unterbringung im Priesterseminar ein, in der alle, auch muslimische Nachbarn, aufgenommen wurden: ein Zeichen der Hoffnung und des Miteinanderteilens in einem Land, in dem oft mehr auf die Unterschiede als auf das Verbindende geschaut wird.

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Danach fanden weitere Treffen auf der Insel Java statt, wie in Surabaya – ein Gebet für Jugendliche in der Kirche Santa Maria und das wöchentliche Gebet in einer evangelischen Kirche – und in Semarang, wo ein regelmäßiges Gebet im Priesterseminar stattfindet.

Wir fuhren auch auf die Insel Flores. Die Situation dort ist eine ganz andere. 85% der Menschen hier sind Christen und man hat den Eindruck, in einem komplett anderes Land zu sein. Auf dem Weg in die Stadt Ende fuhr unser Kleinbus durch eine beeindruckende Landschaft: grüne Vulkanhügel, Wasserfälle, Reisfelder und durch den Nationalpark Kelimutu mit seinen drei verschiedenfarbigen Seen. Am Straßenrand lagen Kakaobohnen zum Trocknen aus. Wir kamen spät nachts an und wurden von den Ursulinenschwestern in einer Schule freudig empfangen, in der am darauffolgenden Tag ein Gebet stattfand. Mehr als 200 Schüler kamen; einige von ihnen hatten schon lange vorher Lampen gebastelt, die schön geschmückt waren. Vielen von ihnen waren die Gesänge aus Taizé neu, von denen die meisten ins Indonesische übersetzt sind. Am nächsten Tag brachen wir früh nach Maumere auf, der größten Stadt der Insel. Dort hatten wir zahlreiche Treffen: mit Seminaristen und Pfarrern, mit Schülern verschiedener kirchlicher Schulen und Theologiestudenten …

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Indonesien hat mit seinen 17 000 Inseln und über 300 verschiedenen Sprachen eine fantastische Vielfalt. Während unseres kurzen Besuchs konnten wir etwas davon kennenlernen … Wir spürten jedoch immer wieder, wie uns der Glaube vereint, über unsere Unterschiede in der Sprache, der Kultur, des Landes und des Kontinents – und auch der christlichen Konfession – hinweg.


Februar 2010

Einer der Brüder schreibt über einen kurzen Besuch 2010 in Indonesien.

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Zwei Wochen nach dem Jugendtreffen des „Pilgerwegs des Vertrauens” in Manila konnte ich in Jakarta am monatlichen gemeinsamen Abendgebet in der Gemeinde St. Theresa teilnehmen.

Seit Jahren organisieren Jugendliche dieses Gebet und mehrere von ihnen waren auch beim Treffen in Manila gewesen. Unter den fünfzig Leuten waren nicht nur Gemeindemitglieder und nach dem Gebet erzählten einige von ihren Erfahrungen beim Manila-Treffen. Viele erinnern sich noch an ein ähnliches Treffen vor ein paar Jahren, als Frère Alois für ein Wochenende nach Yogyakarta gekommen war, und stellten sich den Empfang bei den Familien auf den Philippinen so ähnlich vor. Tatsächlich war es sehr anders! Angefangen bei der täglichen Fahrt von ihrer Gemeinde, in der sie wohnten, zum Haupttreffensort in der Innenstadt. Am Anfang hatten sie Probleme, das öffentliche Transportsystem zu verstehen, sich die Namen und Orte zu merken, wo sie aussteigen mussten. Aber allmählich gewöhnten sie sich auch daran und lernten andere Pilger kennen, die in der gleichen Gemeinde untergekommen waren.

In Jakarta konnte ich auch an einem Gebet in der Universitas Katolik Atma Jaya teilnehmen. Studenten dieser Universität waren in den vergangenen Jahren in Taizé gewesen. Das Gebet wurde von der Hochschulgemeinde organisiert. Anschließend lasen wir zusammen im „Brief aus China“, und trafen uns nach einer halben Stunde in Stille zum Austausch in Kleingruppen.

Auch in Tegal, einer Kleinstadt in Zentrum von Java, findet jeden Monat ein Gebet statt. Wenige Menschen in der Stadt wissen von diesem Gebet in der Herz-Jesu-Gemeinde und die Idee, ein gemeinsames Wochenende zu organisieren, kam sehr spontan auf. Einige kamen bis aus Bandung und Jakarta! Diejenigen von außerhalb Tegals wurden in Familien untergebracht. Am Abendgebet nahmen über 80 Jugendliche teil. Viele von ihnen hatten ein solches Gebet und die Stille noch nie erlebt. Am nächsten Tag entstand nach dem Morgengebet und einer kurzen Bibeleinführung ein langer Austausch in Kleingruppen: Was gibt mir eine Richtung im Leben? Gibt es Dinge, die ich ändern möchte? Was bedeutet das Wort „Durst“ für mich? Mit welchen Worten würde ich sonst noch meine Suche nach Gott beschreiben? Was bedeutet „ein Leben in Fülle“ für mich? „Ein Durst nach einem Leben in Fülle“: Nehme ich einen solchen Durst wahr? Wie kann man diesen Durst stillen?

Kurz vor dem Gemeindegottesdienst, mit dem das Treffen endete, las jemand den Brief von Richard aus Haiti vor, der darum bat, an jedem 12. eines Monats für Haiti zu beten.

Printed from: http://www.taize.fr/de_article10108.html - 22 April 2019
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