Jugendtreffen in Santiago de Chile

Am Vorabend des Palmsonntags

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Am Vorabend des Palmsonntags kamen über eintausend Jugendliche zu einem gemeinsamen Gebet mit den Brüdern aus Taizé. In Chile reagierte man sehr schnell auf das Erdbeben, überall wurde Hilfe für die am meisten Betroffenen organisiert. Ganze Gruppen Jugendlicher in den anderen Landesteilen schickten Nahrungsmittel und Trinkwasser und halfen bei den Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten. Hoffnung ging auf, wo Verzweiflung drohte. Zum Gebet zusammenzukommen, war ein Weg, zur Quelle der Solidarität zu gehen. Mit Gesang und dem Gebet vor dem Kreuz kann eine innere Heilung beginnen und Furcht überwunden werden: die Furcht vor dem Leben in einem so schönen Land, in dem von Zeit zu Zeit die Erde bebt, wo es Vulkane gibt und das Meer manchmal mit voller Gewalt zuschlägt. "Gott hat uns dieses Land geschenkt, wir müssen lernen, in ihm zu leben." Die Kirche versucht zu trösten, und beim Wiederaufbau zu helfen. Durch das Gebet ist sie der Ort, an dem Gottes Güte spürbar wird, die immer in der Mitte seines Volkes gegenwärtig ist.

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Einer der Brüder schreibt:

„Das Chile von heute ist nicht dasselbe wie noch vor einem Monat.“ Ein Erdbeben, wenige Minuten in denen man sich nur so es geht festhält, vermittelt eine Erfahrung der Zerbrechlichkeit des Lebens, die man nicht so schnell vergisst.

In Santiago selbst - einer Großstadt von 5 Millionen Einwohnern mit seiner erstaunlich friedlichen Atmosphäre - bemerkt man die Katastrophe kaum. Ältere Gebäude haben Schäden davongetragen, eine Reihe Kirchen aus dem 19. Jahrhundert sind beschädigt. In mehreren Gemeinden wird der Gottesdienst in einem Saal oder unter freiem Himmel gefeiert.

"Im Süden", wie die Leute hier sagen, sind die Eindrücke dagegen überwältigend: in Städten wie Concepción, Talca und Linares haben Menschen alles verloren. An der Küste hat der Tsunami ganze Dörfer ausgelöscht.

Die 16 Millionen Einwohner Chiles fühlen sich einander alle sehr nahe. Die Reaktionen spontaner Solidarität waren erstaunlich: einen Tag nach dem Beben wurde bereits Geld und Nahrungsmittel gesammelt. Der erste Lastwagen brach von La Legua in Richtung Süden auf, einem der ärmsten Vorstädte Santiagos. Auf Vorschlag des Kardinals haben die Gemeinden der Hauptstadt mit Gemeinden im Katastrophengebiet Partnerschaften geschlossen. Auch an den Universitäten organisiert man sich. Viele Studenten packen in den Osterferien mit an, wo es nötig ist: Schutt wegschaffen, Aufräumen und provisorische Unterkünfte errichten.

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Die Verantwortlichen für die Jugendarbeit in der Erzdiözese von Santiago haben spontan das traditionelle "Fest der Auferstehung" abgesagt, das jedes Jahr die ganze Osternacht hindurch Jugendliche auf einem großen Platz in der Stadtmitte versammelt. Das Fest absagen - ja. Doch wie können wir uns gegen den Eindruck wehren, Gott habe uns bestraft oder gar der Urheber dieses Unglücks sein könnte? Könnten wir nicht einfach zum gemeinsam Gebet zusammenkommen? Den inneren Frieden wiederfinden, den die Eindrücken dieser letzten Wochen erschüttert haben, und sich der Frage aussetzen: Wie könnte ich mich persönlich für die einsetzen, die woanders von den Konsequenzen des Erdbebens betroffen sind?

Drei Brüder der Communauté halten sich bereits zur Vorbereitung des lateinamerikanischen Jugendtreffens, das im Dezember stattfinden wird, in Chile auf. Sie wurden dazu eingeladen, ein Gebet am Vorabend des Palmsonntags vorzubereiten. Mehr als tausend Jugendliche kamen der Einladung nach. Der Ort des Gebets ist wunderschön! Eine Kirche unter freiem Himmel, auf einem Berg, der das Stadtzentrum überragt und auf den man eine Stunde in der Nachmittagssonne hinauflaufen musste. Obwohl die Gesänge aus Taizé in Chile sehr bekannt sind, war das Gebet etwas Neues. Doch die Jugendlichen verschiedenen Alters ließen sich ohne weiteres auf die Stille und die meditative Atmosphäre ein.

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Die Sonne geht in prachtvollen Farben hinter der Gebirgskette unter, die Santiago vom Meer trennt. Dann wurden nach dem Evangelium die kleinen Kerzen entzündet und alles schien die Wort Christi zu flüstern: "Fürchtet euch nicht, ich bin hier!"

Printed from: http://www.taize.fr/de_article10058.html - 16 September 2019
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